Die Regierung wolle in den 120 Tagen prüfen, von welchen Ländern das geringste Risiko ausgehe, heißt es in der vom Weißen Haus am Freitagabend (Ortszeit) veröffentlichten Anordnung. Demnach sollen Flüchtlinge erst dann wieder ins Land gelassen werden, wenn der Heimatschutzminister und der Nationale Geheimdienstdirektor bescheinigen, dass der Überprüfungsprozess "angemessen" ist.

Vertreter der Demokraten verurteilten den Erlass. Er sei Ausdruck einer extremen Fremdenfeindlichkeit, sagte etwa Senator Edward Markey. "Über die Wangen der Freiheitsstatue rollen Tränen", sagte der demokratische Oppositionsführer im Senat, Charles Schumer. Es sei eine der schlimmsten Entscheidungen, die Trump bisher gefällt habe.

Von den Republikanern erhielt Trump Unterstützung. Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) habe damit gedroht, das Einwanderungssystem zu missbrauchen, um Attentäter einzuschleusen, sagte der Abgeordnete Bob Goodlatte, Vorsitzender des Justizausschusses im Repräsentantenhaus. Auch der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, signalisierte Zustimmung. "Präsident Trump hat recht, alles Mögliche zu tun, damit wir genau wissen, wer ins Land kommt."

Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani kritisierte Trumps Anordnungen. "Wir sind in der Zeit der Globalisierung, (...) die alle Völker zu Nachbarn gemacht hat", sagte Ruhani. Besonders Touristenreisen sorgten für ein besseres Verständnis für andere Kulturen und damit für mehr Toleranz. Millionen Iraner sind nach der islamischen Revolution 1979 in die USA ausgewandert, besonders nach Kalifornien. Viele befürchten nun, dass sie während der Präsidentschaft Trumps ihre Familienangehörigen in den USA nicht mehr sehen können.

Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault bezeichnete Trumps Erlass als besorgniserregend. Es gebe eine Pflicht, Kriegsflüchtlinge aufzunehmen, erklärte er nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel in Paris.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) forderten die USA auf, weiter Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung Unterschlupf zu gewähren. Die USA müssten in dieser Sache "an ihrer Führungsrolle und langen Tradition festhalten".

Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai äußerte sich bestürzt. "Es bricht mir das Herz, dass Amerika sich von seiner stolzen Geschichte abwendet, in der Flüchtlinge und Immigranten willkommen geheißen wurden" erklärte die junge Aktivistin.

Auch bei Bürgerrechtsgruppen stieß Trumps Vorhaben auf Ablehnung. Die US-Anwaltsvereinigung AILA, die sich für Immigranten einsetzt, sprach von einer diskriminierenden Maßnahme gegen Muslime im Namen der nationalen Sicherheit. Einige Rechtsexperten stellen infrage, ob der Erlass verfassungsgemäß ist, da er sich gegen eine einzelne Glaubensgemeinschaft richtet. Dies sei ein klarer Fall religiöser Diskriminierung.