Washington. Mit Spitzel-Vorwürfen gegen seinen Vorgänger Barack Obama hatte Donald Trump zuletzt verzweifelt versucht, von der Causa prima abzulenken. Seit Monaten hält sie die amerikanische Innenpolitik in Atem nun befasst sich auch der US-Kongress eingehender damit, als Trump lieb ist: Hat Russland mit seinen Hackerangriffen auf E-Mail-Konten der Demokraten versucht, zugunsten Trumps Einfluss auf den US-Wahlkampf zu nehmen?

Mit entsprechend großem Interesse wurden am Montag die Ausführungen von FBI-Chef James Comey vor dem Geheimdienst-Ausschuss des Repräsentantenhauses verfolgt. Und der ließ in der Anhörung eine kleine Bombe platzen: Er räumte ein, dass die US-Bundesbehörde nicht nur zu den mutmaßlichen russischen Hackerangriffen während des Wahlkampfs ermittle, sondern darüber hinaus auch zu möglichen Absprachen zwischen Mitgliedern des Trump-Teams und der russischen Regierung. Bisher war nur in den Medien darüber spekuliert worden, dass die laufenden FBI-Untersuchungen zu Moskaus Wahlmanipulationen auch mögliche Verwicklungen des Trump-Teams einbeziehen könnten. Eine offizielle Bestätigung hatte es bisher nicht gegeben.

Es gehe nicht zuletzt darum, zu klären, ob irgendwelche Straftaten begangen worden seien, führte Comey weiter aus. Da es sich um eine noch offene und fortdauernde Untersuchung handle, wollte er keine Details nennen. Alle weiteren Informationen seien als vertraulich eingestuft.

Während des Wahlkampfs waren die Parteizentrale der US-Demokraten sowie das Wahlkampfteam der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton von Hackern angegriffen worden. Dadurch kamen für Clinton unangenehme Interna ins Licht, was Trump potenziell begünstigte.

Comeys Ausführungen bereiten Trump einiges Kopfzerbrechen. Kurz vor Comey Anhörung hatte Trump getwittert, die "russische Geschichte" sei von den Demokraten als "Ausrede" für ihre Niederlage nach ihrem "schrecklichen Wahlkampf" erfunden und angeheizt worden - "Fake News." Sollte die Bundespolizeibehörde tatsächlich strafrelevante Tatbestände feststellen, dürfte der Präsident sein Amt los sein. Zwar hielten sich die Republikaner im Kongress bisher mit Kritik an Trumps erratischer und teils chaotischer Amtsführung zurück, sollte ihm allerdings Verrat an Staatsinteressen der USA nachgewiesen werden, werden die Republikaner ihren Wählern gegenüber nur schwer rechtfertigen können, warum sie ein Amtsenthebungsverfahren verhindern oder für ihn votieren. Zumal Trumps Popularität weiter schwindet. Einer Umfrage vom Wochenende zufolge sank der Zustimmungswert auf 34 Prozent. Nur Richard Nixon genoss nach dem Watergate-Skandal mit 24 Prozent noch weniger Zuspruch.