Damaskus/Wien. Plötzlich ist sie zurück, die Rede von der roten Linie. Mit dem jüngsten Giftgasangriff auf den syrischen Ort Khan Sheikhoun in der Provinz Idlib seien Grenzen überschritten worden, richtet US-Präsident Donald Trump Bashar al-Assad aus, die syrische Armee sei verantwortlich für die Tragödie. Damaskus bestreitet das, nach der Auffassung Moskaus sei lediglich ein Giftgaslager auf Rebellenterritorium von der syrischen Armee zerstört worden.

Das weckt Erinnerungen an das Jahr 2013. Damals sah Barack Obama die mittlerweile berühmte rote Linie überschritten, als in Syrien Giftgas eingesetzt wurde - 1400 Menschen starben. Zu US-Luftangriffen kam es aber nicht.

Nun steht Trump vor dem gleichen Problem, die Frage ist, wie er sich verhalten wird. "Nun muss Trump etwas liefern - und ehrlich gesagt, ist es völlig unklar, was dies sein könnte", so Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. Denn Trump hat immer wieder geschworen, keine weiteren amerikanischen Soldaten in blutige Konflikte zu verwickeln.

Geringer Spielraum

Militärisch ist der Spielraum der USA eingeschränkt. Obamas Regierung erwog 2013 den Beschuss ausgewählter Ziele des syrischen Militärs mit Marschflugkörpern, darunter Einheiten, die sie für Chemiewaffenangriffe verantwortlich machte, sowie Kommandozentren und Start- und Landebahnen der Luftwaffe. Eine ähnliche Liste mit möglichen Militäreinsätzen hat nun auch Trump bei seinem Verteidigungsminister James Mattis angefordert. Auch Angriffe, welche die syrische Luftwaffe dazu zwingen sollen, am Boden zu bleiben, sollen darunter sein. Doch Trump hat in dieser Hinsicht noch schlechtere Karten als sein Vorgänger. Denn als Obama einen Einsatz in Betracht zog, gab es die Russen noch nicht in Syrien. Moskau hat mittlerweile ein hochmodernes Luftabwehrsystem S-400 auf dem Stützpunkt Hamaimim am Mittelmeer stationiert. Es kann damit im Umkreis von 400 Kilometern über Syrien bestimmen, wer fliegt und wer nicht.

Erschreckend klar wird, dass es in Washington kein Konzept für Syrien gibt. Trump hat in seinen ersten Amtstagen vage darüber gesprochen, sichere Zonen für Flüchtlinge einrichten zu wollen. Ein solches Gebiet aber müsste mit Bodentruppen abgesichert werden, im Fall einer Flugverbotszone gar mit Kampfjets. Das würde Assad als Verstoß gegen die Souveränität seines Landes werten. In der Praxis kann es nicht gegen Russland und seine S-400 funktionieren. Der Nahost-Experte Daniel Byman von der Washingtoner Denkfabrik Brookings meint, eine Sicherheitszone würde die Lage nur verschlimmern, erhebliche Ressourcen beanspruchen und den Weg für eine größere militärische Intervention der USA bereiten.