Thomas Seifert.
Thomas Seifert.

100 Tage. So lange schon ist Donald Trump im Weißen Haus. Doch ein locker-flockiges "US-Präsident Donald Trump" will noch immer nicht so einfach von der Zunge rollen. Der New Yorker Immobilienhai im höchsten Amt des mächtigsten Landes des Planeten? Mon dieu! Die Bilanz ist ernüchternd, all das, was Trump im Wahlkampf großmäulig angekündigt hat - das Ende der Gesundheitsversicherung "Obamacare", die Brandmarkung Chinas als Währungsmanipulator, die Errichtung einer Mauer zum Nachbarn Mexiko und nicht zuletzt die Inhaftierung seiner Mitbewerberin ums Präsidentenamt, Hillary Clinton -, ist im Sand verlaufen. 53 Prozent der Amerikaner sind mit der Amtsführung Trumps unzufrieden. Doch seine Stammwähler halten ihm weiter die Stange, denn immerhin sagen 41,7 Prozent, sie seien zufrieden mit Trump. Unglaublich: Eigentlich müssten sie, deren Blut er mit Tiraden gegen die Fat Cats der Wall Street und die Eliten in Wallung gebracht hat, sich die Augen reiben: In seiner Entourage tummeln sich Wall-Street-Insider, seine Steuerreformpläne wären ein Fest für die Reichen und mächtigen Plutokraten. Trump verlässt sich darauf, dass viele von ihnen sich nicht mit den Details seiner Politik befassen, sondern ihn aus einem diffusen Gefühl heraus, dass er ihr Mann sei, unterstützen. Außenpolitisch ist die Bilanz katastrophal: China und Australien stieß er gleich zu Beginn vor den Kopf, zur deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die er im Wahlkampf grob beleidigt hatte, musste Trump Tochter Ivanka schicken, damit es zumindest irgendeinen Kanal zwischen dem Weißen Haus und dem Bundeskanzleramt in Berlin gibt. Mit Präsident Trump im Weißen Haus hat das Ansehen der USA in der Welt gewaltigen Schaden genommen: Trump ist der fleischgewordene Beweis für die Dysfunktionalität und Dekadenz des amerikanischen politischen Systems. Zugleich ist die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses auf dem Nullpunkt. Wer soll auch Trump nach all den Lügen und verrückten Tweets der letzten 100 Tage und jener davor schon glauben? Immerhin: Mit Trump ist die Madman-Theorie von Richard Nixon wiederauferstanden. Nixon wollte damals den Ostblock glauben lassen, dass er zu irrationalen Handlungen - also auch zum Einsatz der Atombombe - imstande sei, um den Osten zum Einlenken zu bewegen. Versucht Trump nun eine ähnliche Strategie im Umgang mit Nordkorea? Den Madman mimt er schon ganz überzeugend.