Washington. (wak) "Fake News", "fake media" (zweimal), und "eine totale Zeitungsente". US-Präsident Donald Trump ließ es sich nicht nehmen, auf seinem Lieblingsmedium Twitter in vier Tweets die Anhörung der früheren US-Justizministerin Sally Yates zu kommentieren. Yates erklärte vor einem Ausschuss des US-Senats in Washington, sie habe das Weiße Haus davor gewarnt, Michael Flynn zum Nationalen Sicherheitsberater zu machen: Er sei aufgrund seiner Kontakte zum russischen Botschafter erpressbar, so Yates. Flynn wurde aber von Trump zum Sicherheitsberater geadelt, allerdings zu dem mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte. Denn nach drei Wochen musste Flynn schon den Hut nehmen. Ein verschwiegenes Telefonat mit russischen Diplomaten zur etwaigen Aufhebung der US-Sanktionen brach ihm schließlich das Genick.

"Alles Nachrichten von gestern", kommentierte Trump nun während der Anhörung, das sei ja wirklich nicht die Story. Die eigentliche Geschichte sei nämlich die Überwachung durch die nationalen Nachrichtendienste - die haben schließlich das Telefonat von Flynn protokolliert. Zumal haben britische Geheimdienste ihre US-Kollegen immer wieder über die Verstrickungen von Trumps Beratern informiert. Doch Trump war es wichtig, mitzuteilen, dass das Weiße Haus, also er, nichts mit Russland zu tun hatte. Während der Anhörung änderte Trump auch sein großes Banner-Foto auf Twitter so, indem er - oder ein Mitarbeiter auf sein Geheiß - per Photoshop folgenden Satz ausschilderte: "(FBI)-Direktor Clapper hat nun wiederholt, was jeder, inklusive der Fake Media, längst weiß: Es gibt keine Beweise einer Zusammenarbeit zwischen Russland und Trump", so Trump über sich in der dritten Person.

Dass der pensionierte FBI-Direktor James Clapper bei der selben Gelegenheit zu Protokoll gab, dass Großbritannien die USA wegen der Trump-Russland Kontakte gewarnt hatte - auch Clapper wurde vor den Ausschuss geladen, fand sich naturgemäß nicht auf Trumps offiziellem Twitter-Account wieder.

Yates erklärte vor dem Justizausschuss des Senats, sie habe bereits im Jänner vor dem damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn als Sicherheitsrisiko gewarnt. Laut Medienberichten hatte sogar der damalige Präsident Barack Obama schon zwei Tage nach der Wahl Trump von Flynn abgeraten.

Yates hatte wiederum am 26. Jänner - eine Woche nach dem Amtsantritt Trumps - dessen Berater Don McGahn darauf hingewiesen, dass Flynn die Unwahrheit über seine Kontakte zum russischen Botschafter gesagt habe. Egal - Trump selbst hatte sich auch danach im Jänner eine Zeit lang demonstrativ hinter Flynn gestellt. Trumps Berater McGahn habe Yates deutlich gemacht, dass er die von ihr geschilderte Gefahr für die US-Regierung verstanden habe.

Talkshow-Host wird untersucht

Hintergrund der Ermittlungen sind Vorwürfe, russische Geheimdienste hätten den US-Wahlkampf zugunsten von Trump beeinflusst. So wird vermutet, russische Spezialisten hätten Datenbanken der Demokraten gehackt, um die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton unvorteilhaft aussehen zu lassen. Russland hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Auch Trump hat mehrfach betont, es gebe keine Geheimabsprachen zwischen ihm und Russland.

Wie delikat das Thema USA und Russland ist, zeigt auch der nicht abebbende Skandal um den US-Talkshow-Host Stephen Colbert. Der erklärte in einem seiner Monologe, dass Trumps Mund nur für eine Sache gut sei, nämlich das Genital von Russlands Präsident Wladimir Putin zu umfassen. Der umstrittene Gag wird nun offiziell von der US-Medienaufsicht untersucht.

Die Zitterpartie um das Pariser Klimaschutzabkommen zieht sich jedenfalls weiter hin, wie am Dienstag bekannt wurde. Trump will seine Position zu dem Abkommen nun erst nach seiner Rückkehr vom G-7-Gipfel Ende Mai auf Sizilien klarstellen, kündigte das Weiße Haus am Dienstag an.