Washington. US-Präsident Donald Trump hat überraschend den umstrittenen FBI-Chef James Comey entlassen. Das Präsidialamt begründete am Dienstagabend den Schritt mit dessen Vorgehen in der E-Mail-Affäre von Hillary Clinton unmittelbar vor der Präsidentenwahl. Trump habe Comey in einem Brief erklärt, dass dieser die Behörde deswegen "nicht mehr effektiv führen" könne.

Rückblende: Am 5. Juli 2016 sagt Comey, Clinton habe sich nach seiner Einschätzung zwar selten dümmlich, aber nicht justiziabel verhalten. Trump war damals deswegen vor Wut fast geplatzt. Warum seine Regierung nun bis zum 9. Mai 2017 brauchte, um Comey daraus einen Strick zu drehen, man weiß es nicht.

Demokraten reagieren entsetzt und sehen Verfassungskrise

Hochrangige Demokraten und eine ganze Reihe von US-Medien vermuten hinter der Demission jedoch einen ganz anderen Grund: die Russland-Ermittlungen des FBI gegen Trumps Wahlkampfteam. Das Repräsentantenhaus, der Senat und das FBI untersuchen den mutmaßlichen russischen Einfluss auf die Wahl 2016 und ob oder wie Trump von einer Beeinflussung durch Moskau profitiert hat. Laut US-Medien sind die Ermittlungen des FBI bei weitem die härtesten. Mit Comeys Rauswurf steht ihre Zukunft nun in den Sternen. Würde denn ein von Trump ausgesuchter FBI-Direktor weiter ermitteln? Oder eher die Clinton-Akten wieder öffnen wollen?

Ein Schritt, der "nach einer Vertuschung riecht"

Das Präsidialamt veröffentlichte Trumps Brief, in dem dieser auf eine Empfehlung von Justizminister Jeff Sessions verweist. Es sei "zwingend notwendig", eine neue Führung zu finden, die das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Behörde wiederherstellen könne. Unter Berufung auf eine Analyse des Ministeriums hieß es, Comey hätte seine Schlussfolgerungen in E-Mail-Affäre der Demokratin Hillary Clinton nicht Ende Oktober - in der heißen Phase des Wahlkampfs - veröffentlichen dürfen. Es sei unverständlich, warum Comey sich der Einsicht verschließe, dass diese Entscheidung "nach fast einhelliger Einschätzung falsch" gewesen sei. Die Bundespolizei untersteht in den USA dem Justizministerium.

Die Demokraten gingen in ersten Reaktionen nicht auf die E-Mail-Affäre ein, sondern verwiesen auf Comeys Ermittlungen zu etwaigen Russland-Verbindungen. Der Schritt "riecht nach einer Vertuschung" und sei Teil eines Versuches, die Untersuchung zu behindern, sagte der ranghöchste Demokrat im Justizausschuss des Repräsentantenhauses, John Conyers. Die USA stünden damit am Rande einer Verfassungskrise.