Washington. Seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten wird in der Öffentlichkeit die Frage diskutiert, welchen Einfluss Soziale Medien auf das Wahlergebnis hatten. Nachdem Facebook im August vergangenen Jahres sein News-Team entlassen und durch Algorithmen ersetzt hat, sind in dem Nachrichtenmodul wiederholt Falschnachrichten eingespielt worden. In der mazedonischen Kleinstadt Veles verdiente eine ganze Armada von Clickworkern Geld damit, die US-Nachrichtennetze mit Fake-News zu fluten und die erkenntnistheoretischen Grundlagen auszuwaschen. Die Automatisierung der Nachrichtenlese hat dafür gesorgt, dass die Schleusenwärterfunktion der Journalisten ein Stück weit erodiert ist. Doch die Krise des US-Journalismus ist nicht nur technologischer, sondern auch geografischer Natur.

Seit Jahren findet in den USA ein beispielloses Zeitungssterben statt. Und das betrifft nicht die großen Blätter wie die "New York Times" oder die "Washington Post", die entgegen dem Trend ihre Auflage steigern konnten, sondern vor allem Lokalzeitungen. Die Seite "Newspaper Death Watch" hat dieses leise Sterben dokumentiert. "Pittsburgh Tribune-Review", 2016 geschlossen. 106 Redakteure mussten gehen. "The Cincinnati Post". Eingestellt nach 126 Jahren. "Tampa Tribune". Ebenfalls eingestellt. Es sind nur drei Beispiele einer langen Liste. Zwar gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe von (überregionalen) Neugründungen wie der "Huffington Post" oder "Politico", die seriösen Journalismus betreiben. Doch dem steht eine immer größere Zahl von Schließungen gegenüber. Der Rust Belt, jener deindustrialisierte Gürtel, in dem Trump besonders stark war, ist in der Presselandschaft eine einzige Ödnis. Gab es laut der Occupational Employment Statistics 2005 noch 66.490 Redakteure und Reporter im Land, ist die Zahl 2015 auf 41.400 gesunken - ein Rückgang um 38 Prozent. Damit sinkt auch die Zahl der "Watchdogs", die Lokalpolitikern auf die Finger schauen.

Von Klasse zur Masse

Die US-Presse war über Jahrzehnte lokal strukturiert. Es gab viele kleinere preisgekrönte Blätter, die eine regionale Öffentlichkeit herstellten. Tim Wu erzählt in seinem Buch "The Attention Merchants" die Mediengeschichte als Entwicklung des Aufmerksamkeitshandels. 1830 hatten die größten Tageszeitungen in New York eine Auflage von 2600 Exemplaren zu einem Verkaufspreis von sechs Cent, was Zeitungen weiland zum Luxusprodukt machte. Der 23-jährige Druckereibesitzer Benjamin Day hatte die geniale Idee, die Zeitung für einen Penny zu verkaufen, was gerade so die Kosten für Druck und Redaktion deckte. Doch mit dem geringen Verkaufspreis konnte er eine größere Leserschaft erreichen, die wiederum in ein Zielpublikum für Anzeigenkunden umgewandelt werden konnten.