Die Impulse gehen von anderen aus; das Staatentrio Russland, Iran und Türkei trifft sich regelmäßig in Astana oder in der Sommervilla des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Sotschi. Hier wurde die Errichtung von Deeskalationszonen in Syrien beschlossen, während die USA weitgehend tatenlos zusehen, wie Machthaber Bashar al-Assad mit tatkräftiger Hilfe Russlands und Teherans jeden Tag stärker wird.

Washington steuert auf Bruch mit Ankara zu

Unterdessen steuert man in Washington auf einen Bruch mit Ankara zu. Der Plan der Trump-Administration, in Syrien an der Grenze zur Türkei eine 30.000 Mann starke Rebellentruppe aufzustellen, wird von der Türkei als existenzielle Bedrohung aufgefasst und sorgt für entsprechende Reaktionen. Präsident Recep Tayyip Erdogan befahl prompt in der Nacht auf Freitag, Kurdendörfer an der türkischen Grenze mit Artillerie anzugreifen. Die Kluft zwischen Washington und seinem wichtigsten Nato-Partner im Osten vertieft sich, zumal Erdogan nach einer kurzen Phase der Entfremdung eine innige Freundschaft zu Russlands Präsident Putin pflegt.

In Moskau, wo man Donald Trumps Wahlkampf offenbar aktiv unterstützt hatte, reibt man sich zufrieden die Hände. Zwar ist es nicht zur von Trump ursprünglich angestrebten Verbesserung des bilateralen Verhältnisses gekommen. Das wird in Moskau offiziell bedauert, doch so wichtig ist das für den Kreml nicht. Hier will man vor allem die eigene Rolle auf der Weltbühne stärken, auf Augenhöhe mit den Amerikanern um den ersten Platz rittern. Und das gelingt mit einem Präsident Trump im Weißen Haus hervorragend.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat das in seiner traditionellen Neujahrsansprache ganz offen ausgesprochen: "Die USA und der ganze, sogenannte historische Westen verlieren ihre Vormachtstellung, die sie in den vergangenen fünf Jahrzehnten innehatten", so Lawrow. "Neue Zentren wirtschaftlicher und politischer Einflussnahme entstehen." Die USA würden zu illegitimen Mitteln greifen, um ihren Abstieg zu stoppen, konstatiert Lawrow.

Die Vereinigten Staaten, ein angeschlagener Boxer, der unkoordiniert um sich schlägt, sich nur noch mit Mätzchen und unfairen Tricks auf den Beinen hält?

Noch ist es wohl nicht so weit, doch trifft Lawrows Kritik einige wunde Punkte. Etwa wenn er sagt, dass die USA "Anlass zur Sorge" geben, was ihre Fähigkeiten betreffe "ein verlässlicher Vertragspartner zu sein". Immerhin stärkt der Versuch Trumps, das 2015 geschlossene Atomabkommen mit dem Iran zu revidieren, nicht das Vertrauen in eine künftige Paktfähigkeit der USA.

Vom Untergang des Abendlandes wollen Analysten nicht sprechen - davon dass Trump die immer noch stärkste Macht weltweit in die Sackgasse führt, dass die USA heute isolierter dastehen als noch vor einem Jahr, sehr wohl.

Dass diese Entwicklung feststellbar ist, hat unbestritten viel mit Trumps charakterlicher Disposition zu tun. Der 71-Jährige ist Geschäftsmann, Immobilien-Tycoon und Entertainer, kein Politiker. Detailarbeit ist seine Sache nicht, oft fragen sich US-Beobachter, ob er den Inhalt der US-Verfassung kennt. Im jüngsten Buch des Aufdeckers Michael Wolff "Fire and Fury" wird die Vermutung geäußert, Trump habe mit seinem Antreten zur Präsidentschaftswahl eigentlich nur sein Firmen-Imperium promoten wollen. Klar ist, dass er mit seinem Wahlsieg bis zuletzt nicht gerechnet hat. Das ist ersichtlich, weil er keine Vorbereitungen für die Wochen seiner Amtszeit getroffen hatte. Das bemerkte Barack Obama, der dem Nachfolger noch in letzter Sekunde einige Unterweisungen in Sachen Amtsführung geben wollte. ("Wir spielen im gleichen Team").