Ankara. (rs) Der Aufwand, den Präsident Recep Tayyip Erdogan und die von ihm gegründete AKP betreiben, ist enorm. Die meisten türkischen Städte sind förmlich zugepflastert mit Plakaten, Bannern und Aufklebern, die für ein "Ja" beim Verfassungsreferendum werben. Erdogan selbst ist nahezu täglich in eine andere Provinz geflogen, um dort Stimmung für das von ihm so dringend ersehnte Präsidialsystem zu machen.

Dennoch kann sich der Staatschef bis zuletzt nicht sicher sein, dass die Mehrheit der Türken ihm folgen wird. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Instituts Gezici wollen am Sonntag 51,3 Prozent der Wahlberechtigten für die Verfassungsreform stimmen und 48,7 Prozent dagegen. Befragt wurden dafür 1400 Wahlberechtigte in zehn Provinzen am 8. und 9. April.

Damit liegt die jüngste Studie im Trend: Auch zwei andere Umfragen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, deuten mit einer Zustimmungsrate von 51 beziehungsweise 52 Prozent auf einen knappen Wahlausgang hin, ebenso wie die Daten der Nachrichtenagentur Reuters, die aus acht Umfragen eine durchschnittliche "Ja"-Quote von 50,8 Prozent errechnet hat.

Viel mehr als ein Schlaglicht dürften die Umfragen allerdings nicht sein. Denn die Meinungsforscher räumen selbst ein, dass ihre Arbeit derzeit massiven Unschärfen ausgesetzt ist. So lässt sich nicht einmal verlässlich eruieren, wie groß die Zahl der Unentschlossenen ungefähr noch ist, denn vor allem bei jenen, die sich nicht eindeutig dem "Ja"- oder "Nein"-Lager zuordnen, ist die Bekennerfreudigkeit ausgesprochen gering. Insgesamt sind es bis zu 20 Prozent der Türken, die sich nicht zu ihrem eigenen Wahlverhalten äußern wollen. Angesichts des enormen politischen Drucks wird den Mitarbeitern der Meinungsforschungsinstitute häufig sogar die Türe vor der Nase zugeschlagen. Doch selbst wenn die Interviewer hereingebeten werden, sind die Ergebnisse nur bedingt verlässlich. Denn die Demoskopen rechnen damit, dass viele zwar vorgeben mit Ja zu stimmen, es dann am Tag der Abstimmung aber doch nicht tun.