Das politische System Ihres Landes, der USA, macht im Moment auch nicht den allerbesten Eindruck mit einem Mann wie Donald Trump im Weißen Haus.

Dieser Mann wurde aufgrund einer sehr seltsamen Verkettung unglücklicher Umstände 45. US-Präsident. Dazu kommt, dass er die Mehrheit der Wählerschaft nicht hinter sich hat. Allerdings: Die USA sind noch immer der wichtigste Faktor auf diesem Planeten. Auch wenn wir derzeit politisch Schwäche zeigen, so haben wir eine Reihe von wichtigen Stärken. Ökonomisch sind wir unumstrittene Nummer eins. Uns geht es ökonomisch viel besser, als das die Aussagen von Donald Trump vermuten ließen. Die Wirtschaft hat sich in den USA nach dem Beinahekollaps der Weltwirtschaft viel besser erholt als in den meisten anderen Ländern. Ich sehe also kein Bild der Vereinigten Staaten, die sich im Niedergang befinden. Was ich aber sehr wohl sehe: Die USA verlieren rapide an Soft Power und an Respekt. Unser Land ist viel besser als die Performance unserer derzeitigen Regierung. Die Vereinigten Staaten sind stark genug, sich von einer Trump-Präsidentschaft auch wieder zu erholen. Es wird aber darum gehen, das politische System dahingehend zu reformieren, dass es in Zukunft wieder besser funktioniert.

Was halten sie von den Verbindungen zwischen Trumps Umfeld und Kreml-Getreuen?

In dieser Sache gibt es so viel Rauch - da muss wohl auch Feuer sein. Trump war offenbar stets sehr stark auf finanzielle Vorteile bedacht. Aber die Dinge werden ja vom FBI untersucht.

Wie können die USA und Europa unter diesen Umständen auf Putin reagieren?

Putin beschwört die Bedrohung Russlands durch die Nato und den Westen. Diese von ihm aufgebaute lächerliche Nato-Bedrohungskulisse ist für ihn vor allem aus innenpolitischen Gründen bedeutsam. Was man aber nicht übersehen sollte: In Wirklichkeit ist das Modell des Westens, die freie, offene Gesellschaft die wahre Bedrohung für ihn. Denn letztlich wollen Menschen in Freiheit und Würde leben. Als Putin im Jahr 2000 Präsident wurde, war die Erfahrung der Russen mit Öffnung und Marktwirtschaft in den wilden Jahren von Boris Jelzin nicht die beste. Putin versprach Ordnung und Stabilität. Zuletzt haben wir aber gesehen, dass vor allem junge Menschen mit dem derzeitigen Putin-System alles andere als zufrieden sind. Das System scheint viel weniger stabil als der Kreml annimmt.

Wie soll der Westen reagieren?

Wir müssen Populisten des Westens werden, müssen den Menschen wieder Grund zur Hoffnung geben. Leider ist es leichter, Menschen mit Angst einzuschüchtern als sie mit Hoffnung zu mobilisieren. Also schüren die Demagogen die Angst vor Flüchtlingen, die Angst vor dem Terror - Angst ist aber kein guter Ratgeber. Die Populisten des Westens müssen eine Politik propagieren - nicht für das eine Prozent der Reichsten und Wohlhabendesten sondern für alle. Das Zauberwort, der Schlüssel zur Lösung aller Probleme lautet: Bildung. Aber vielleicht hat die Präsidentschaft von Donald Trump oder der Brexit auch sein Gutes: Vielleicht wachen die Zentristen auf und arbeiten wieder quer über die Parteigrenzen zusammen.

Und es geht auch darum, stolz zu sein auf die Werte des Westens: Rechtsstaatlichkeit, Freiheit. Ich bin auch jemand, der an das westliche kapitalistische System der Marktwirtschaft glaubt. Aber auch wenn ich jetzt wie der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders klinge: Das muss ein gerechteres System sein; der Durchschnittsbürger muss von diesem System wieder mehr profitieren.