Norbert Darabos kümmert sich in Zukunft um Gesundheit und Soziales im Burgenland. - © apa/Robert Jäger
Norbert Darabos kümmert sich in Zukunft um Gesundheit und Soziales im Burgenland. - © apa/Robert Jäger

Wien. Rot-Blau im Burgenland hält Norbert Darabos für ein "gelungenes Experiment", das das rote Kartenhaus um Kanzler Werner Faymann seit vergangener Woche ordentlich ins Wanken bringt. Mit diesen Worten hatte sich der nun ehemalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer vom bundespolitischen Parkett wohl innerlich schon verabschiedet. Der 51-Jährige wechselt als Landesrat für Gesundheit und Soziales zurück in seine Heimat, ins Burgenland. Es dürfte eine seiner leichteren Entscheidungen gewesen sein.

Darabos tat für die Partei immer alles. Auch diesmal. Dankbarkeit ist aber keine politische Kategorie, wie sich in seiner Laufbahn immer wieder zeigte.

Darabos feierte seinen ersten Erfolg als Stratege 2000, als er den unbekannten Bürgermeister Hans Niessl trotz Bank-Burgenland-Skandals zum Landeshauptmann machte. Jenes Amt, das Darabos immer anstrebte.

Dadurch wurde die Bundespolitik auf den Parteimanager Darabos, der zwischenzeitlich zum Klubobmann der burgenländischen SPÖ geworden war, aufmerksam. Darabos arbeitete zu Beginn an der Seite von Doris Bures in der Bundesgeschäftsführung. 2004 brachte er Heinz Fischer in die Hofburg. Zwei Jahre später gelang ihm sein größter Coup, als er den damals chancenarmen Alfred Gusenbauer als Wahlkampfleiter zum Bundeskanzler coachte.

"Ein Stein besteht
doch nicht aus Butter"

Gedankt wurde es dem ehemaligen Zivildiener damit, das davor eher schwarz und blau geprägte Verteidigungsressort 2007 mit dem Ballast des von der SPÖ über Jahre bekämpften und unlösbaren Eurofighter-Kaufs zu übernehmen. Darabos zog laut Gusenbauer das "große Los", als Verteidigungsminister die Eurofighter loszuwerden. Darabos fügte sich, obwohl er damals lieber Innenminister geworden wäre. Für Darabos gab es von da an nicht mehr viel zu holen. Zwar wurde er mit sechs Amtsjahren zum längstdienenden Verteidigungsminister der Europäischen Union, doch von Erfolg war diese Zeit nicht geprägt.

Die Eurofighter fliegen heute noch, wenn auch weniger als geplant. Mehr als ein Vergleich mit den Herstellern war damals nicht drinnen. Darabos müsse "mit den Eurofightern leben", sagte der damalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter fast zynisch. Die Berufsheer-Volksabstimmung 2013, für die Darabos von der Partei zu einer 180-Grad-Wende genötigt wurde, schwächte den Verteidigungsminister zusätzlich. Bürgermeister Michael Häupl verlangte vor der Wien-Wahl 2010 die Kursänderung. Darabos fügte sich erneut und trat über Nacht gegen seine Überzeugung, für ein Berufsheer ein. Vorher hatte der Minister sein Einsetzen für die Wehrpflicht noch als "in Stein gemeißelt" bezeichnet. Bundespräsident Heinz Fischers ungewohnt bissiges "Ein Stein besteht doch nicht aus Butter" saß. Rund 60 Prozent sprachen sich für die Wehrpflicht aus.

Durch Darabos’ Meinungsänderung zerkrachte er sich zudem mit dem roten Generalstabschef Edmund Entacher. Dessen angetriebene Absetzung scheiterte aber kläglich. Vielmehr verzeichnete Darabos durch die Ab- und Wiedereinsetzung des Generals eine weitere politische Niederlage. Entachers Pensionierung blieb Darabos fern.

Asyl-Verhandlungen
mit der FPÖ

Kanzler Faymann holte den Burgenländer etwas mehr als einen Monat später nach der gescheiterten Volksabstimmung wieder in die Parteizentrale als Bundesgeschäftsführer und damit in die zweite Reihe zurück. Bei der Nationalratswahl 2013 wirkte er wieder als Wahlkampfleiter. Die SPÖ wurde Erste, mit einem Verlust von zweieinhalb Prozentpunkten und dem schlechtesten Wahlergebnis in der SPÖ-Geschichte (26,8 Prozent). Dann wurde es ruhig um Darabos. Innerparteilich wurde ihm fehlende Schlagkraft attestiert.

Nun kehrt Darabos heim und wird mit der FPÖ etwa das Thema Asyl verhandeln. Den Blauen hat er kürzlich noch "Menschenverachtung" unterstellt wie auch die "fehlende Abgrenzung" zum rechten Rand. Auf Bundesebene würde er mit der FPÖ nicht koalieren, im Burgenland sieht er hingegen kein Prolem für eine Zusammenarbeit.

Er habe sich dazu "entschlossen, dem Wunsch des Landeshauptmannes auch Rechnung zu tragen", sagte er. "Ich bin schon froh, wieder im Burgenland zu sein." Wieder zeigt sich: Die Partei braucht Darabos. Er kommt. Seinem Ziel, Landeshauptmann zu werden, ist er zumindest geografisch nähergekommen.