Graz. (temp) Die zweite Woche nach der steirischen Landtagswahl am 31. Mai ist weiterhin Gesprächen zwischen den Parteien gewidmet - im Gegensatz zum Burgenland sind die Koalitionsvarianten aber weiter offen. Heute, Dienstag, steht ein Treffen zwischen SPÖ-Chef und Landeshauptmann Franz Voves und dem FPÖ-Spitzenmann Mario Kunasek auf dem Programm. Letzterer hatte sich bereits vergangene Woche mit dem stellvertretenden Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zusammengesetzt.

Über die Gesprächsinhalte wurde bisher nichts bekanntgegeben, das dürfte auch diese Woche so bleiben. Am Wochenende könnte es zumindest ein Update zum Zwischenstand geben, wie es aus den Parteien hieß. Offiziell bestätigt wurde dies aber noch nicht.

Die Freiheitlichen betonten, dass es derzeit noch keine Gespräche mit den anderen Oppositionsparteien gebe. "Wenn wir aber zu solchen eingeladen werden, werden wir der Einladung folgen", sagte Kunasek-Sprecher Stefan Hermann.

Sowohl SPÖ als auch ÖVP hatten nach der Wahl, bei der sie herbe Verluste einstecken mussten und die FPÖ massiv gewann, angekündigt, mit allen Parteien Gespräche führen zu wollen. Bisher kristallisierte sich eine Fortsetzung der "Reformpartnerschaft" aus SPÖ und ÖVP in Form einer "Zukunftspartnerschaft" als am wahrscheinlichsten heraus.

Jede Variante
ist möglich

Zurufe zum Beispiel aus Wien von ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka nach einer schwarz-blauen Kooperation sorgten in den vergangenen Tagen aber für Gerüchte über eine mögliche "Überraschungs"-Koalition. Auch ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer hat bisher noch keiner Koalitionsvariante eine klare Absage erteilt. Er schließe daher "nicht von vornherein aus, dass man mit der FPÖ eine Dreierkoalition bildet", sagte Schützenhöfer gegenüber der "Presse". Eine Zweier-Variante ohne SPÖ sei für Schützenhöfer ebenfalls vorstellbar, wie er bekräftigte. Er schließe keine Variante aus, er "strebe aber eine Koalition, in der die Mehrheitspartei ausgeschlossen ist, nicht von vornherein an". Man könne jedenfalls die Koalition mit der SPÖ "jetzt nicht mir nichts, dir nichts fortsetzen", wiewohl er auf eine Neuauflage hoffe. "Aber wir müssen den Spielraum verbreitern."

Landeshauptmann Voves hatte sich bisher gegen eine Zusammenarbeit mit "dieser Strache-FPÖ" ausgesprochen. Diese beheimate "gerichtlich verurteilte ,Wiederbetätiger und Hetzer‘", hieß es in einer Aussendung.

",Nichtpopulisten‘ müssen zusammenstehen"

"Auch die christlich-soziale ÖVP sollte endgültig aus der Geschichte gelernt haben und nicht nochmals diese rechts-rechte FPÖ salonfähig machen", sagte der Landeshauptmann in Richtung ÖVP. Er meinte aber, dass die Ursachen für das starke Abschneiden der FPÖ sowie der hohe Anteil an Nichtwählern ergründet werden müssten. "Die Unsicherheiten in Europa und im Umfeld Europas verlangen ein Zusammenstehen der ,Nichtpopulisten‘. Der andere Weg würde über kurz oder lang zu einer vorhersehbaren Katastrophe führen", so Voves.