Kleine Image-Brötchen backen: in der Ankerfabrik. - © BKA
Kleine Image-Brötchen backen: in der Ankerfabrik. - © BKA

Wien. Mit roter Kappe verfolgt der rote Kanzler die Mitarbeiterin beim Weckerl-Drehen. Dienstag Mittag in der Ankerfabrik Wien.

Der Abend davor: Bestimmt und gelöst reckt sich Kanzler Werner Faymann zu den Kameras, die um ihn postiert sind. Die Frisur sitzt. Auf Tuchfühlung mit den Fotografen und Journalisten innerhalb des Kreises antwortet er auf eine Frage, die gar nicht gestellt wurde: "Es gab keinerlei Führungsdebatte."

Die SPÖ-Granden, die er im Parlament einberufen hatte, sind den wartenden Journalisten entwischt. Eine Partei, eine Stimme. Geschlossenheit: ein Wert der SPÖ. Selbst nach dem Tabubruch des roten Landeshauptmanns Hans Niessl, der im Burgenland auf Rot-Blau setzt und damit die rote Anti-FPÖ-Linie durchbricht. Der Parteichef hinderte ihn nicht daran. Deswegen orakelten Politologen bereits über die baldige Ablöse des "führungsschwachen" Faymann. Nicht nur deswegen: Unter ihm hat die SPÖ 16 von 18 Wahlen verloren. Im Herbst setzt sich die Niederlagenserie wohl in Wien und Oberösterreich fort.

Faymann tauchte am Montag durch. Wieder einmal. Er ist ein Meister des Taktierens, egal ob innerhalb der Partei oder in der Koalition mit der ÖVP.

In der Koalition konterte er zuerst Wilhelm Molterer, dann den beliebten Vizekanzler Josef Pröll und schließlich Michael Spindelegger aus. Und sogar "Django" Reinhold Mitterlehner zog bei der Steuerreform den Kürzeren, weil er für die unangenehmen Maßnahmen länger kritisiert wurde.

Angriffe aus der roten Gewerkschaft parierte Faymann, indem er deren Modell für die Steuerreform 1:1 übernahm und sie auf diese Weise in eine Schicksalsgemeinschaft zwang.

Seine Basis: In den Medien erweiterte er sein Standing in den Boulevardmedien maximal. Innerparteilich reduzierte er die Macht auf einen immer kleineren Kern und nahm der Partei die Strahlkraft in der Umlaufbahn. Symbolhaft dafür: Die Drehscheibe zwischen Bundespartei und Landesorganisationen, die Bundesgeschäftsstelle der SPÖ in der Löwelstraße, ist derzeit führungslos. Der treue Parteisoldat, Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos, werkt künftig als Soziallandesrat im rot-blauen Burgenland. Offiziell ist er noch im Amt, doch mit der provokanten Ansage, "Rot-Blau könnte ein gelungenes Experiment werden", legte er sein Amt de facto zurück. Neue Gegner konnten unter Faymanns Regime nicht groß werden. Querdenker wie die Oberösterreicherin Sonja Ablinger, die als Protest gegen Rot-Blau und das System Faymann ihr Parteibuch zurückschickte, ließ er gar nicht erst gefährlich groß werden. Die offene Kritik nimmt gleichwohl zu. Der beliebte Traiskirchner Bürgermeister Andreas Babler will eine Partei ohne "Werner F." Der Tiroler SPÖ-Chef Ingo Mayr muckt auch gerne auf. Doch das gefährdet die Geschlossenheit der SPÖ nach außen noch lange nicht.

Selbst wenn Faymann scheinbar mit dem Rücken zur Wand steht, stehen hinter ihm noch seine rechte Hand, Kanzleramtsminister Josef Ostermayer, und Doris Bures, die er zur Nationalratspräsidentin machte. Und an der Seitenlinie der Schiedsrichter, Wiens Bürgermeister Michael Häupl, von dessen Taktieren Faymann selbst abhängt.

Häupl schritt am Montag demonstrativ an der Seite Faymanns zum Präsidium. Er hat im Herbst die für die SPÖ entscheidende Wahl zu schlagen. Und so wenig wie Rot-Blau im Burgenland braucht er eine Führungsdebatte im Bund. Zudem würden mögliche Kandidaten wie der gerne genannte ÖBB-Chef Christian Kern einen Teufel tun, sich für mögliche Wahlpleiten in Oberösterreich und Wien zu verantworten.

Auf Niessls Abenteuer hatte Häupl zu wenig Einfluss, aber Faymann steht und fällt mit seinem Urteil. Und hier endet der entspannte Sommer, der sich für Faymann abzeichnet. Die Prognosen für die Wien schauen einigermaßen düster für die SPÖ aus. Sollten die Roten deutlich unter 40 Prozent sinken, heißt der Schuldige wohl: Faymann.

Und sollte die ÖVP die Gunst der Stunde nützen und in vorgezogene Neuwahlen gehen, heißt der SPÖ-Kandidat wohl kaum Faymann. Landet die SPÖ Wien hingegen nahe am "40er", könnte Faymann erneut Oberwasser behalten. Bleibt er dann bis Weihnachten im Sattel, ist wieder alles offen. Die Liste der verlorenen Wahlen ist dann zwar um zwei länger, eine Ära Faymann III nach 2018 ist dann nicht a priori ausgeschlossen. Dann könnte er sogar wieder Herr seines eigenen politischen Schicksals werden. So werden ihm noch immer Ambitionen auf den Wiener Bürgermeister nachgesagt. Er werde den Ankerstandort in Wien sichern, sagte er am Dienstag. Na dann.