Wien. "Wenn jeder tun kann, was er will, stellt sich die Frage, wozu es einen Bundesparteivorsitzenden gibt", sagte ein eher frustrierter Gewerkschaftsfunktionär zur Koalition der SPÖ mit der FPÖ im Burgenland. Werner Faymann selbst blieb am Freitag bei seiner Linie: Das sei eine Entscheidung der Burgenländer, er selbst würde das nicht tun, im Bund käme das nicht in Frage. Ins selbe Horn stieß der Burgenländer und Kanzleramtsminister Josef Ostermayer.

Praktisch in Opposition zur burgenländischen SPÖ ist die Wiener SPÖ gegangen. Aus Wien kam - neben den Jugendorganisationen der SPÖ - die schärfste Kritik an dieser Koalition. Wien wählt am 11. Oktober, und die Stadtpartei hat mit der Entscheidung von Hans Niessl wenig Freude. "Egoistisch", war noch eine nettere Formulierung jener Funktionäre, mit denen die "Wiener Zeitung" gesprochen hat.

Am Montag will sich Bürgermeister Michael Häupl dazu äußern, auch er wird jegliche Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen deutlich ablehnen. "Niessl sagte, die burgenländischen Freiheitlichen seien anders als die Wiener. Ich bin schon gespannt, was Johann Tschürtz als kommender Landeshauptmann-Stellvertreter sagen wird, wenn HC Strache wieder einmal gegen die EU reitet", sagte einer, der sich nicht zitieren lassen wollte.

EU-Profiteur Burgenland

Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen: Das Burgenland profitierte am stärksten von der EU und deren Förderungen. Nun sitzt eine Partei in der Landesregierung, die die EU weitgehend ablehnt. Und sich der Kritik Wladimir Putins an der EU anschloss. "Das muss Bundeskanzler Werner Faymann seinen Kollegen erklären, aber nicht der Herr Niessl", sagte ein hoher SPÖ-Funktionär, dem Anonymität zugesichert wurde, da seine Äußerungen in diese Analyse einfließen.

Die von Medien derzeit ständig gestellte Frage lautet: Bleibt Faymann SPÖ-Bundesparteivorsitzender? Nach den Wahlniederlagen in der Steiermark und im Burgenland sowie der nunmehrigen Koalition mit der FPÖ ist das Murren in seiner Partei unüberhörbar.

Zwar versucht die Parteizentrale mit (dem Burgenländer) Norbert Darabos an der Spitze zu signalisieren, dass Niessl der ÖVP nur zuvorgekommen ist. Auch sie hätte - mit der extrem rechten Liste Burgenland - eine Koalition mit der FPÖ schmieden wollen. Diese drei Parteien hätten im Eisenstädter Landtag 19 von 36 Sitzen, also eine knappe Mehrheit.