Eine Schutzbehauptung, tönt es aus der ÖVP. Dafür spricht, dass der burgenländische FPÖ-Chef Tschürtz mit der ÖVP persönlich und inhaltlich wenig am Hut hat. Richtig ist allerdings, dass der Klubobmann der ÖVP im Nationalrat, Reinhold Lopatka, nach dem vergangenen Wahlsonntag die Ausgrenzung der FPÖ als Fehler bezeichnete. Lopatka war unter Wolfgang Schüssel einer der Befürworter einer Koalition mit der Haider-FPÖ.

Zurück zur Frage, ob Werner Faymann nach diesen Entwicklungen Parteichef und damit Bundeskanzler bleiben wird. In Gewerkschaftskreisen wird damit gerechnet, dass er bleibt, und zwar bis 2018. "Es wird jetzt Rumoren geben, aber das wird sich legen", ist aus Kreisen der FSG (Fraktion sozialistischer Gewerkschafter) zu hören. Deren Vorsitzender Wolfgang Katzian gilt aber als prononcierter FPÖ-Gegner. Vor allem in Wien, aber auch Oberösterreich, schlägt Faymann wenig Sympathie entgegen. "Es wird nicht regiert, es wird nicht entschieden. Vereinsrechtlich ist Werner Faymann Obmann, aber Vorsitzender ist er nicht", ist aus der Wiener SPÖ-Spitze zu hören.

Während manche Kommentatoren den Abgang Faymanns in den kommenden Tagen erwarten, rechnen aber auch seine Kritiker damit, dass es vor der Wiener Wahl im Oktober keine Entscheidung geben dürfte.

Drei Namen als Nachfolger

Danach hängt vieles vom Ausgang der Wahl ab. Wenn Häupl in Wien ähnlich stark verliert wie Franz Voves in der Steiermark, wird sich die Obmann-Debatte wohl intensivieren. Das Burgenland könnte allerdings - so ein Kalkül - einen Solidarisierungseffekt in der Stadt Wien mit der SPÖ auslösen. In den Umfragen wird derzeit vermutet, dass die SP auch an die Grünen etliche Stimmen verliert. Die deutliche Abgrenzung zur FPÖ könnte potenziell abtrünnige Wähler bei den Sozialdemokraten halten. Ob das Kalkül aufgeht, traut sich derzeit auch in der Meinungsforschung niemand zu sagen.

Als potenzielle Nachfolgekandidaten werden - nicht erst seit jetzt - drei Namen genannt: Andreas Schieder, derzeit Klubobmann der SPÖ im Nationalrat. Christian Kern, durchaus erfolgreicher ÖBB-Generaldirektor mit sozialdemokratischer Vergangenheit. Und Gerhard Zeiler, derzeit Spitzenmanager im US-Medienkonzern Turner Broadcasting International und davor ORF-Chef sowie Vorsitzender der RTL-Gruppe. "Werner Faymann weiß, wie man oben bleibt", urteilt ein enger Vertrauter von ihm. "Er wird auch das jetzt aushalten."