Sebastian Reinthaller ist als Künstlerischer Leiter der Bühne Baden sowohl Direktor des Stadttheaters als auch der Sommerarena im Kurpark, die heuer ihr 110-jähriges Bestehen feiert. Er singt auch selbst eine Tenorrolle in Franz Lehárs "Frasquita" und genießt dabei die Natur und vor allem die frische Luft, wie er im Interview betont.

Was ist für Sie als Intendant der Unterschied zwischen Sommer und übriger Saison?

Ich bin seit 1992 regelmäßig Gast an der Bühne Baden und seit 2014 Intendant, und jedes Mal, wenn ich im Sommer heraußen zu tun habe, genieße ich dieses Naturerlebnis. Hinten schließt der Wienerwald gleich an, oben thront die Sommerarena. Ich behaupte: Natur ist schon Kunst. Und wenn wir die Möglichkeit haben, in der Natur Kunst zu präsentieren, ist das eine wunderbare Erhöhung und sogar Verdoppelung. Deswegen ist es ein riesiger Unterschied zum festen Theatergebäude. Es hat beides seinen Reiz, aber die Sommersaison ist mit nichts vergleichbar. Und die Sommerarena hier ist noch einmal etwas ganz Besonderes, vor allem wenn das Glasdach offen ist. Da hört man die Vögel zwitschern, man hört die Gäste aus dem Kurpark sich unterhalten, man hört vielleicht auch noch andere Musik aus der Ferne, aber die Konzentration findet im Zuschauerraum statt. Ich bin ein Frischluftfanatiker, das ist für mich als Sänger grandios.

Intendant Sebastian Reinthaller singt heuer auch selber (im Bild mit Bibiana Nwobilo in "Frasquita").  - © Christian Husar
Intendant Sebastian Reinthaller singt heuer auch selber (im Bild mit Bibiana Nwobilo in "Frasquita").  - © Christian Husar

Inwieweit sind Pollen, Gelsen, Regen oder kühle Abende ein Problem?

Es gibt natürlich Kolleginnen und Kollegen, denen es nicht so recht ist, weil sie um ihre Stimme Angst haben, wenn es ein bisschen kühler wird. Ich bin da ein bisschen robuster und genieße jede Sekunde im Kurpark und in der Sommerarena. Die war ja früher eine Pawlatsche, bis vor 110 Jahren in Rekordzeit das Glasdach errichtet wurde. Seither kann man dort bei jedem Wetter spielen, da haben wir im Wettbewerb einen riesigen Vorteil gegenüber anderen Bühnen. Bei Schlechtwetter machen wir einfach das Glasdach zu, da hört man dann die Regentropfen, das hat auch etwas. Mit den Pollen ist es im Sommer selber gar nicht so schlimm. Und ich war selbst früher ein Asthma-Kind und wäre einmal fast erstickt. Die Gelsen sind in Baden auch nicht so schlimm wie an anderen Freiluft-Spielstädten. Es passiert nur manchmal, dass Insekten oder auch Vögel dann unter dem Glasdach eingesperrt werden, aber so wirklich störend sind die auch nicht. Das Besondere in der Sommerarena ist auch der unmittelbare Kontakt zum Publikum: Es ist ein Haus mit 660 Sitzplätzen, die Bühne ist nicht besonders groß, und der Orchestergraben ist überschaubar – und du kommst am Abend noch bei Tageslicht auf die Bühne und siehst jedes einzelne Gesicht. Für manche Kollegen ist das erschreckend. Ich hingegen liebe es, weil ich sehr viele Gesichter schon kenne. Da kann man auch wunderbar in Nestroy-Manier hineinspielen. Und im Laufe des Abends erhellen sich die Gesichter oder verdunkeln sich.