Es dürfte dem Intendanten gedämmert sein, dass die Bühnenanordnung heuer nicht die optimalste ist. Rein touristisch gesehen. Michael Sturminger teilte bei seiner Eröffnungsrede der Sommerspiele Perchtoldsdorf am Mittwoch mit, dass jene Tribüne, die einen Blick auf die Burg im Hintergrund des Schauspiels hat, bereits für die ganze Spielzeit ausverkauft sei. Es gibt aber noch zwei andere Tribünen rund um die Bühne.

Tatsächlich würde man sich beim Sommertheater in einem Burghof erwarten, dass diese Burg auch irgendwie eine Rolle spielt, und sei es nur als schmuckes Beiwerk. Man muss Sturminger aber zugutehalten, dass seine Inszenierung von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" vergessen lässt, dass man die Kulisse nicht sieht. Gegen Ende wird die Atmosphäre auf der lediglich von bunten LED-Ringen beleuchteten Bühne sogar so dicht, dass man vergisst, im Freien zu sitzen.

Transparenz und Leidenschaft

Sturminger betont in Perchtoldsdorf die Laientheater-Komponente - Regisseur Peter Squenz lässt zu Beginn auch die Akteure, die Theseus (Andreas Patton, banker-ähnlicher Gelkopf mit Hang zur Verwirrung) und Hippolyta (Veronika Glatzner, handtaschenschmeißende Sexbombenfurie in Reizwäsche) spielen, aus dem Publikum heraustreten. Dass Sturminger diese Metaebene nicht durchzieht, ist wohl den unausgesprochenen Regeln des Sommertheaters geschuldet: Bloß nicht zu viel Herausforderung für den lauen Aperolspritzer-Abend. Das ist legitim, vor allem, wenn man ein so exzellentes wie spielfreudiges Ensemble bei der Hand hat.

Benjamin Vanyek schleicht als Lysander wie ein halbsediertes Dior-Männermodel herum. Julia Richter gibt eine Hermia, die vor Leidenschaft auf den Tribünenstangen fast den Felgeaufschwung macht. Markus Kofler ist als Squenz ein kettenrauchender Künstler-Hipster. Karl Walter Sprungala ist als Egeus ein Tobsüchtler in Lachs-Tweed und als Puck hypersexuell und vergnügt-gemein in der transparenten Unterhose. Besonders hervorzuheben ist auch die Elfen-Kombo, die die ätherische Musik von Michael Pogo Kreiner charmant intoniert. Kreiner wiederum ist als Thisbe hinreißend und sieht aus wie eine überwuzelte sizilianische Braut in ihren 50ern. Nikolaus Barton gibt den Zettel angemessen streberhaft, sein Esel hat einen reichlich plakativen Schwanz - vorne. Überhaupt geizt die Inszenierung nicht mit Umsetzungen der Shakespeareschen Wollust-Anspielungen. Unterstützt wird das von den durchsichtigen Kostümen - die Elfen etwa schauen aus, als hätten sie sich nach einem Raubüberfall im Miederwarenladen überstürzt mit der Beute eingekleidet. Die sinnlich-kreative und humorvolle Ausstattung von Kopf (wüster Blondafro) bis Fuß (Lady-Gaga-Highheels) lässt das spartanische Bühnenbild - das de facto aus einem mobilen Bett besteht - übersehen. Alles in allem ein Vergnügen, vor allem im zweiten Teil. Ob mit oder ohne Aperolspritzer.