Tenor und Muse: Wolfgang Böck, Anna Kramer. - © Wolfgang Voglhuber
Tenor und Muse: Wolfgang Böck, Anna Kramer. - © Wolfgang Voglhuber

"Otello darf nicht platzen" ist wohl das, was man einen Bühnenhit nennt: Seit der Uraufführung 1986 in London hält der Siegeszug von Ken Ludwigs Stück ungetrübt an, mittlerweile gibt es davon Übersetzungen in 16 Sprachen und Aufführungen in 25 Ländern. Ein Millionenpublikum hat sich bislang über die beiden Tenöre und ihre amourösen Verstrickungen amüsiert, rekordverdächtig dürfte wohl Otto Schenks Darbietung in den Wiener Kammerspielen sein: Von 1990 bis 2009 verkörperte der Publikumsliebling den Opernstar, der seinen Auftritt verpasst, beinahe 500 Mal. Diesen Sommer zeigt Intendant Wolfgang Böck die Backstage-Komödie bei den Schloss-Spielen in Kobersdorf.

Auf der weitläufigen Freiluftbühne wirkt das Kammerspiel, das sich nur in einer Hotelsuite abspielt, mitunter ein wenig verloren, obwohl Bühnenbildner Erich Uiberlacker den Raum stark verkleinerte. Kleine Gesten müssen überdeutlich gespielt werden, damit sie bis in die hinteren Ränge wahrgenommen werden, darunter leidet freilich die Geschmeidigkeit der Komödienmechanik.

Allerdings punktet die dreistündige Aufführung mit einem erlesenen Ensemble - von Erich Schleyer als cholerischen Operndirektor und Gertrud Roll als exzentrische Opernliebhaberin bis hin zu Anna Kramer als Muse, spielen die Akteure weit über dem üblichen Sommertheater-Niveau. Auch das Komikerduo - Wolfgang Böck als Welttenor Tito Merelli und Gerhard Kasal als Möchtegern-Sänger und Doppelgänger - wirft sich in der routinierten Regie von Michael Gampe die Pointen gekonnt zu.

Viel Beifall vom Premierenpublikum.