Ägypten: Eine Finsternis aus dem Jahr 610 v.d.Z. ist auf einem Papyrus dokumentiert. Dass "der Himmel die Sonnenscheibe verschlungen hat", wurde am Beginn des Amun-Re-Fests als übles Zeichen gewertet. Kurz darauf starb Pharao Psammetich I., der freilich seit 664 regiert hatte.

Dichter 1: Beliebt sind Sonnenfinsternisse bei Dichtern, die damit in ihren Texten dem Mond einmal eine Pause gönnen können. Archilochos (etwa 680–645 v.d.Z) wandte sich angesichts einer Sonnenfinsternis an den Göttervater:
"Nichts ist was du nicht erwarten, nichts was du verschwören sollst,
Oder was anstaunen, Zeus ja, Vater der Olympier,
Schaffet Nacht aus Zeit des Mittags, wenn den Glanz des Helios,
Er verhüllt in Dunkel; traurig naht den Menschen dann die Furcht."

Dichter 2:  Adalbert Stifter schrieb über die totale Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842: "Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so erschüttert, wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden."

Frieden: An 28. Mai im Jahr 585 v. d. Z. fand die Schlacht am Halys (heute: Kızılırmak, Türkei ) in Kleinasien zwischen den Lydern und den Medern ein jähes Ende. Der griechische Historiker Herodot schreibt darüber: "Plötzlich verfinsterte sich die Sonne, der Tag wurde zur Nacht, wie es durch Thales von Milet verheißen worden war und von tiefem Schrecken erfasst, gaben die Krieger den Kampf auf. Die verfeindeten Parteien schlossen Frieden."

Frieden 2: Ähnliche Erfahrungen wie Herodot dürften die Batammaliba in Benin und Togo gemacht haben. Sie fassen Sonnenfinsternisse als Kampf von Sonne und Mond auf. Um Frieden zu stiften, müssen die Menschen alle Konflikte untereinander lösen.

Geduld: Wer in Zukunft eine totale Sonnenfinsternis in Österreich beobachten will, braucht Geduld. In Kärnten kann man eine völlige Verdunklung 2081 beobachten, in Wien muss man bis 2227 warten.

Raubtiere: In vielen Mythologien wird das Verschwinden von Himmelskörpern als Verschlingen durch ein Tier gedeutet. Die Wikinger glaubten, dass der Mond vom riesigen Wolf Skalli verfolgt werde, und sein Bruder Hati der Sonne nachjage. Wenn eines der Raubtiere sein Opfer mit den Zähnen zurückhalte, ereigne sich eine Finsternis.

Relativität: Bei der Sonnenfinsternis am 21. August 1914 wurde erstmals Einsteins Behauptung, dass Licht von Masse angezogen wird, experimentell überprüft. Britische Physiker führten ihre Messungen auf der westafrikanischen Insel Príncipe durch und stellten für die Ablenkung des Lichts aus dem Sternhaufen der Hyaden exakt den Wert fest, den Einstein berechnet hatte.

Risiko: Thomas Alva Edison wollte die totale Finsternis am 29. Juli 1878 im US-Bundesstaat Wyoming beobachten. Dazu bezog er mit seinem umfangreichen Instrumentarium Position in einem Hühnerstall. Mit dem Beginn der Verdunkelung kehrten freilich die Hühner zurück und attackierten den Wissenschaftler, weshalb dieser das Feld zügig und mit mageren Erkenntnissen räumen musste.

Versäumnis: Angeblich konnten chinesische Astronomen Sonnenfinsternisse bereits vor 5000 Jahren voraussagen. Dabei herrschte die Vorstellung von einem Drachen, der die Sonne verschlingt. Nachdem die Hofastronomen Hsi und Ho die totale Eklipse vom 22. Oktober 2134 v.d.Z. berechnet hatten, betranken sie sich allerdings und vergaßen darauf, Trommler und Sänger zur Vertreibung des Drachen zu organisieren. Kaiser Zhòng Kāng ließ sie daraufhin töten.

Vorhersage: Die Sonnenfinsternis bei der Schlacht am Halys (> Frieden) wurde den Ioniern von Thales von Milet (624-546 v.) vorhergesagt. Allerdings hat Thales laut Herodot nur das Jahr prognostiziert. Es wird vermutet, dass er dies auf der Basis vorangegangener Finsternisse geschlossen, aber nicht astronomisch berechnet hat. Aufgrund der Beschreibung durch Herodot ist die Schlacht das älteste auf einen Tag datierte Ereignis der Geschichtsschreibung.