Ende der Geheimdienstkarriere

Das dünne Buch, in wenigen Wochen fieberhaft auf Papier gebannt, veränderte Cornwells Leben - und auch die Kunst des Spionageromans. Gut und Böse waren verschmolzen zu grau, die Agenten waren keine Helden, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. "Die beste Spionage-Geschichte, die ich je gelesen habe", urteilte Genre-Veteran Graham Green. Der Roman erschien unter dem Namen John le Carré und anfangs wusste niemand, wer sich dahinter verbarg. Als die Wahrheit ans Licht kam, war es endgültig vorbei mit der Geheimdienstkarriere.

Stattdessen schrieb le Carré fortan über die Welt der Agenten und landete wenige Jahre später seinen größten Erfolg mit George Smiley, dem desillusionierten Meisterspion, der ständig von seiner Frau betrogen wird und an der skrupellosen Realität seiner Branche leidet. In diesem Jahr wurde das wohl bekannteste Smiley-Buch, "Dame, König, As, Spion" neu verfilmt, mit Gary Oldman in der Hauptrolle. Und das, obwohl inzwischen eine "ganze Generation aufgewachsen ist, die überhaupt nicht mehr weiß, was der Kalte Krieg war".

Kritischer Blick nach Hause

Der Fall des Eisernen Vorhangs nahm le Carré die eingespielte Arena für seine Geschichten, und er richtete seinen kritischen Blick nach Hause, in den Westen. Seine Bücher drehten sich um den Waffenhandel, Machenschaften von Pharma-Konzernen, den Krieg gegen den Terror oder zuletzt die russische Mafia. Als Publizist kritisierte er die US-Außenpolitik ("Amerika ist verrückt geworden") und forderte mehr Toleranz für den Islam.

Zum 80. ist le Carré ein rüstiger grauhaariger Gentleman, unvermindert charmant und scharfsinnig. Schon der Anblick eines Fremden auf der Straße kann genügen, um seine Fantasie zu entfesseln. Er ist in Frieden mit sich selbst. "Ich fühle mich bereit, zu sterben", sagt er ungewöhnlich offen. "Wenn alles sehr bald vorbei sein sollte, würde ich nichts außer Dankbarkeit spüren. Es wäre eine Sünde, für ein Leben wie meins nicht dankbar zu sein."