Wien. "Dieses Jahr nehm’ ich zehn Kilo ab", "in der Fastenzeit werde ich kürzertreten", "diesen Sommer schaff’ ich die Bikini-Figur". Diese und andere Sätze haben schon viele zu sich gesagt, oft auch mehrmals. Wer abnehmen oder auch nur besser auf seine Ernährung achten will, greift mittlerweile häufig zu Fitness- oder Kalorienverbrauchs-Apps. Mehr als 200 Anwendungen dieser Art tummeln sich in den jeweiligen Stores. Viele rühmen sich damit, dass Nutzer auf riesige Datenbanken mit unzähligen Gerichten und Kalorienangaben zurückgreifen könnten.

Der Milchkaffee wird anhand der Farbe erkannt


Links
Die Ernährungsapp Snics
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Genau das sieht Gerd Sumah aber als Schwäche an. Denn oft finde man nicht genau das, was man sucht, und müsse aus den teils stark unterschiedlichen Kalorienangaben für dieselbe Mahlzeit wählen. Oder erst alles selbst eingeben. "Die Nutzer holen sich solche Apps, damit sie es einfacher haben. Am Ende sind sie aber doch wieder sich selbst überlassen", erklärt der Wiener Unternehmer. Um diese demotivierende Hemmschwelle zu überwinden, hat er "Snics" entwickelt.

Die Ernährungs-App nimmt den Nutzern diese Entscheidung ab - und das mit nur einem einzigen Foto. In ihrer Funktionsweise orientiert sich die App an der Arbeitsweise von Ernährungsberatern, die Mahlzeiten anhand von Fotos auf ihren Energiegehalt hin analysieren und schätzen. Aktuell übernimmt das aber noch nicht vollständig die Maschine, sondern Verena Lang. Die Diätologin zeichnet sich mit einem Team der Fotodatenbank der App verantwortlich. Insbesondere in der Anfangsphase stellt sie die "Intelligenz" von Snics dar und bearbeitet jedes einzelne Foto, das hochgeladen wird. Mittlerweile hat sie auf diese Art Speisen auf mehr als 40.000 Fotos bewertet und der App "beigebracht". Dafür verwendet sie standardisierte Nährwerte und Portionsgrößen. "Die Anwendung kann mittlerweile allein durch Kontraste, Farbwerte und andere Indikatoren Speisen ziemlich genau erkennen und gibt sofort eine erste Einschätzung aus", meint sie stolz. So wird beispielsweise der Milchkaffee anhand der Farbe erkannt.

Damit das Schmalzbrot aber dann doch nicht fälschlicherweise als Lasagne eingebucht wird, bessern sie und ihre Kollegen bei jedem Bild noch selbst nach. "Die genauere Version wird für den Nutzer dann innerhalb von 24 Stunden aktualisiert", fügt sie an. Nutzer können auch eigene Rezepte hochladen. Zusätzlich will Lang Kooperationen mit Restaurants anstreben, um an deren Zutatenlisten zu kommen. Allerdings gehe es bei der App gar nicht darum, punktgenaue Kalorienziele zu verfolgen, betont Gründer Sumah. "Wir wollen unseren Nutzern vielmehr dabei helfen, ein Gefühl für ihre Ernährung zu bekommen", erklärt er. Das gelte auch für die Ernährungsberatung, fügt Lang an. "Wir konzentrieren uns mehr darauf, unseren Klienten bestimmte Faustregeln und Trends zu vermitteln, beispielsweise ausreichend Obst und Gemüse zu sich zu nehmen." Gewichtsverlust hänge von einer Vielzahl an Faktoren wie dem Stoffwechsel und der Tagesverfassung ab. Da Apps dies nicht abbilden können, würden sich trotz Kalorienzählens nicht die erhofften Ergebnisse einstellen, was wiederum demotiviert.