Zwar wird Elektroschrott in Österreich nicht in Deponien gelagert, doch auch hierzulande ist die Verwertung nicht optimal: Fast das gesamte vorsortierte und geschredderte Material wird ins Nachbarland Deutschland transportiert.

Kleine dezentrale Anlagen statt riesigen Recyclingzentren

Das will das Recycling-Start-Up Urban Gold ändern. Die Idee: Eine neue Technologie soll es ermöglichen, in vergleichsweise kleinen, dezentralen Anlagen Elektroschrott zu verwerten. In ganz Europa gibt es derzeit nur drei riesige Anlagen, in denen alte Elektrogeräte recycelt werden: in Deutschland, Belgien und Schweden. Die von Urban Gold entwickelte Technologie soll es bald möglich machen, in ganz Europa kleinere Anlagen zu errichten. "Wobei klein etwas untertrieben ist", lacht Geschäftsführer Stefan Konetschnik. Die neuen, sogenannten "Kompaktanlagen" haben in etwa die Größe von drei Fußballfeldern.

Für den gesamten Elektroschrott, der in Österreich anfällt, würde eine einzige Anlage ausreichen. Doch Urban Gold schielt schon längst auf Märkte jenseits der Landesgrenzen. Ende 2018 soll die erste Anlage nach Leobener Design in Moskau in Betrieb gehen. Auf die entsprechende Pressemeldung folgte etwas, das Stefan Konetschnik als "passives Telefon-Marketing" bezeichnet: Es trudelten Anfragen aus der ganzen Welt ein, die sich für solch eine Recycling-Anlage interessierten. Aus Indien, den USA, Großbritannien, Spanien und Deutschland seien Anrufe gekommen, erzählt der Firmenchef.

Dabei ist die Firma erst im Entstehen und besteht aus nur wenigen Mitarbeitern. Händeringend suche man jetzt nach personeller Verstärkung aus den Bereichen Maschinenbau und Metallurgie, erzählt Stefan Konetschnik beim Besuch der "Wiener Zeitung" im Büro in der Leobener Innenstadt. Genau in diesem Moment klopft es an der Tür. Ein Student der Recyclingtechnik steht davor. Er ist im ersten Semester an der Montanuniversität Leoben, hat dort schon viel von Urban Gold gehört und würde gerne ein Praktikum bei den Recycling-Pionieren machen.

Auch die Geschichte des Unternehmens beginnt an der Leobener Uni: Hier wurden die ersten Experimente für die mittlerweile zum Patent angemeldete Recycling-Technologie durchgeführt. Als sich dann herauskristallisierte, dass die Idee Schule machen könnte, gab es finanzielle und andere Unterstützung vom Gründerzentrum der Uni.

Derzeit sucht das aufstrebende Unternehmen nach einem neuen Standort. Die Firma muss bei weiterem Wachstum entweder in ein bestehendes Gebäude übersiedeln oder ein neues Firmenzentrum errichten. Erste Gespräche mit dem Bürgermeister haben bereits stattgefunden, verrät Stefan Konetschnik. Spruchreif sei allerdings noch nichts.