Vermögen als Goldenes Kalb

Und was ist mit dem Schulden-Baby? Marterbauer stellt den 30.000 Euro im fiktiven Schuldenrucksack der Austro-Babys 40.000 Euro aus durchschnittlichem Finanzvermögen gegenüber. "Als Volkswirtschaft als Ganzes sind wir nicht überschuldet." Und schwups sind arme Babys wieder reich. Eine Aufrechnung, die liberale Ökonomen, ablehnen. Denn was haben die Früchte der Leistung des Einzelnen mit dem unstillbaren Steuerhunger des Staates zu tun? Für Marterbauer führt der Weg aus den Schulden über die Vermögen. Deswegen fordert er wie die meisten linken Ökonomen kräftige Vermögenssteuern. Als Alternative dazu sieht er nur ein höheres Wirtschaftswachstum, das die Steuern ins Staatssäckel sprudeln lässt, doch dieses Wachstum sei nicht absehbar.

Wo endet der Steuermarathon? Warum nicht Ausgaben "korrigieren", wie die Agenda fordert und den Staat etwas zurückbauen?

"Effizienter kann man immer sein", sagt Marterbauer. Doch im Sozialsystem sieht er keinen Spielraum zum "Rückbau". Geld, das man durch Gesundheitsreformen spart, brauche man für die steigenden Pflegekosten.

In der Fachwelt läuft "Kaputtsparen" unter dem Begriff "Austerität", ein Begriff, der im Zusammenhang mit den EU-Problemländern des "Club Med" sehr häufig fällt. Für Marterbauer ist klar, was der "neoliberale Sparwahn" dort angerichtet hat: "In Österreich gab es trotz Krise keine Austerität", konzediert Marterbauer. "Aber von Spanien bis Griechenland sehr wohl - mit dem Ergebnis von zusätzlich fünf Millionen Arbeitslosen und einer Jugendarbeitslosenquote von bis zu 60 Prozent." Ja, in diesen Ländern, seien die Staatsausgaben seit der Krise 2008 gesunken, sagt die Agenda; nachdem sie in den Jahren vor der Krise "drastisch angeschwollen waren" - in Spanien um 50 Prozent in nur sechs Jahren. Und das sei doch das Gegenteil von "neoliberal".