Der würde nicht zahlen, es sind Untergrenzen vorgesehen.

So fängt es an. Der Staat kommt nie damit aus, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Grenze gesenkt wird. Viele Vermögende wären bestimmt zu höheren Beiträgen bereit, wenn der Staat strukturell reformiert wäre und nicht von einem Einnahmenrekord zum nächsten eilt. Seit 1962 hat der Bund nie ein ausgeglichenes Budget zusammengebracht.

Dann wären Sie nicht gegen eine Erbschaftsteuer, wenn Arbeitseinkommen entlastet werden?

Bevor vererbt wird, müssten Einkommen eine Generation lang entlastet werden, sonst fällt die Erbschaftsteuer vom zu hoch besteuerten Einkommen an. Die Leute werden älter, Kosten für Pflege steigen, aber die Leute haben kaum noch Möglichkeiten, kleine Vermögen aufzubauen.

Sie tun immer so, als würde Steuern in dunklen Kanälen versickern. Das Geld fließt aber an die Leute zurück, zum Beispiel in der Pflege.

Dass Angehörige in der Steiermark und in Salzburg über den Pflegeregress mitzahlen müssen, zeigt, dass es sich nicht ausgeht.

In der ersten Studie sprachen Sie von 250.000 versteckten, weil frühpensionierten Arbeitslosen. AMS-Chef Kopf kritisierte das scharf, Sie hätten unterstellt, dass alle Frühpensionisten Arbeit suchen.

Wir haben nicht gesagt, dass jeder arbeiten würde. Dann wären die Zahlen noch höher. Er hat die Studie nicht genau gelesen, sonst würde er das nicht behaupten.

Linke Plädoyers für mehr Gleichheit kontern Sie gerne mit einem Vergleich zu Kuba oder Nordkorea. Dort herrsche fast totale Gleichheit. Das ist nicht sehr wissenschaftlich. Die kubanische Form der Gleichheit will niemand.

Das stammt aus keiner Studie, sondern einer Broschüre. Diese Art der journalistischen Argumentationsführung sei uns erlaubt. Es sollte argumentiert werden, dass vollkommene Gleichheit nicht automatisch besser ist, denn in Kuba haben alle nix. Bei uns ist der Massenwohlstand so hoch wie nie zuvor, da sollte man es auch aushalten, wenn einige wenige mehr haben.

Also akzeptieren, dass sich Vermögen immer stärker konzentrieren?

Das müsste man untersuchen.

Hat die Nationalbank gemacht.

Mit Umfragen und nicht mit Studien.

Den bröckelndnen Mittelstand sehen Sie nicht?

Wer nimmt dem Mittelstand denn das Geld weg? Der Staat.

Sie argumentieren schon wieder so. Das Geld fließt doch zurück.

Keiner weiß mehr so genau, wohin das Geld fließt. Was man weiß: dass Politiker permanent Geld verteilen, das nicht erwirtschaftet wurde.

Wenn Sie jetzt große Verwaltungsreformen fordern, dazu braucht es keine Agenda Austria, das ist seit 30 Jahren Teil von Sonntagsreden.

Es wird die Zeit kommen, wo die finanzielle Lage des Landes große Strukturreformen erzwingt. Dann stehen wir mit Ideen parat.

Was auffällt, ist die Leidenschaft für das kommunistische, ökologisch entgleiste China. Sie führen es als Beleg an, dass Globalisierung Menschen aus der Armut holt.

Selbst die UNO argumentiert so - wissenschaftlich ein unstrittiger Punkt. Das gilt nicht nur für China, sondern ganz Asien. Obwohl ich Wohlstand ohne Freiheit wie in China sehr kritisch sehe.

Hohes Wachstum in entwickelten Ländern führt automatisch zu umweltfreundlicheren Gütern, argumentieren Sie. Ist das nicht ein populistisches Ausblenden der ungeheuren ökologischen Verwerfungen auf unserem Planeten? Hilft es wirklich, wenn wir jedes Jahr ein neues Handy kaufen und dadurch den Krieg im Kongo über die Nachfrage nach Coltan mitfinanzieren?

Umweltschutz muss man sich leisten können. Das ist eine Wohlstandsfrage, deswegen braucht es zuerst Wachstum. In Europa ist ein Euro Wirtschaftsleistung noch nie so energieeffizient entstanden wie heute. Es wäre ein Fehler, wenn sich Europa so hohe Umweltauflagen verpasst, dass eine vergleichsweise saubere Produktion nach China abwandert. Das wäre nicht sehr ökonomisch.

Man muss übrigens nicht jedes Jahr ein neues Handy kaufen. Aber bin ich Herr über die Kaufentscheidung der Bürger?