Frankfurt. (wak) Heute, Donnerstag, werden 130 europäische Geldinstitute am Abend endlich Gewissheit über zumindest ihr eigenes Schicksal haben. Dann werden die jeweiligen Banken von den Ergebnissen ihres Stresstests informiert.

Wie es den anderen ergangen ist und wie viele der Banken beim Stresstest durchfallen werden, ist bis zur offiziellen Ergebnisveröffentlichung am Sonntag jedenfalls eigentlich streng geheim. Daher kocht die Gerüchteküche gerade in den letzten Stunden noch einmal kräftig hoch.

Philippe Bodereau, seines Zeichens Bankenexperte bei der riesigen Investmentfirma Pimco, schätzt, dass 18 Banken den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht bestehen werden.

Boderau erklärte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, er tippe darauf, dass die Durchfaller Volksbanken oder Genossenschaftsbanken aus Österreich und Deutschland sein werden, sowie schwache Kreditvergeber in der südlichen europäischen Peripherie.

"Alles ist Spekulation"

Die spanische Nachrichtenagentur Efe wiederum glaubt, dass zumindest elf Institute den Stresstest nicht bestehen werden. Die Nachrichtenagentur nannte als Durchfallkandidaten drei griechische Banken (die Piraeus Bank, die Eurobank Ergasias und die Alpha Bank), drei italienische Institute (Monte dei Paschi, Banco Populare und Banco Popolare die Milano), eine portugiesische Bank (BCP Millenium), eine belgische (Dexia) und eine zypriotische Bank. Die Agentur räumte allerdings ein, dass die Informationen nur vorläufig seien und sich bis zur Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse des Stresstests noch ändern könnten. Der staatliche zypriotische Rundfunk zitierte am Mittwoch eine Quelle "auf höchster Ebene", der Bericht aus Spanien stimme nicht. Und in Athen berichtet die dortige Finanzpresse unter Berufung auf hochrangige Bankenkreise, alle vier griechischen Banken würden die Stresstests - mit einem kleinem Zusatz-Kapitalbedarf - bestehen. Der größte deutsche Wackelkandidat, die HSH Nordbank, die schwer unter dem Einbruch der Schifffahrt gelitten hatte, habe dagegen den Stresstest der europäischen Aufsichtsbehörden offenbar bestanden.

Den Bericht über die Durchfaller widersprach die EZB indes strikt: "Alles zu diesem Zeitpunkt ist Spekulation", sagte eine Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage.

Trotzdem reagierten die Märkte nervös, der Euro verlor zum Dollar im Tagesverlauf um bis zu 0,43 Prozent.

Pimco-Experte Boderau lobte den Stresstest als "Meilenstein der Säuberung" im Bankensektor, er sei auch wesentlich glaubwürdiger als die vorangegangenen zwei Bankenstresstests. Die Ergebnisse würden die Märkte schließlich auch dann beruhigen. Allerdings: "Es ist ziemlich offensichtlich, dass nicht allzu viele Banken bei dem Test durchfallen werden. Die Bilanzen seien in den letzten sechs bis neun Monaten gestärkt worden."

Große Institute nehmen Hürde

Die großen Banken in Nord- und Südeuropa würden den Test unbeschadet überstehen. Bodereau glaubt aber, dass ein Drittel davon es nur um ein Haar schaffen wird. Dabei wird es sich wahrscheinlich vor allem mittelgroße Institute handeln. Der "Markt wird sich dann wahrscheinlich fragen, was diese Institute für eine Dividendenpolitik fahren und ob sie ihre Kapitaldecke stärken können. Diese Banken werden unter dem Druck sein, weiterhin sehr konservativ zu arbeiten."