Frankfurt. Heute Mittag will die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse ihrer Überprüfung der 130 größten Banken der Eurozone vorlegen. Institute, die an den Kapitalvorgaben scheitern, müssen binnen zwei Wochen Pläne vorlegen, wie sie die Lücken zu schließen gedenken. Aus Österreich wird es ein Institut - die Volksbanken AG (ÖVAG) - nicht geschafft haben. Die anderen Österreicher sind angeblich "durch".

Die EZB hat zuletzt aber vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Bis zum Sonntag - wenn alle Ergebnisse final abgesegnet sein müssen - seien alle Resultate vorläufig und Schlussfolgerungen über das Abschneiden von Instituten hochspekulativ.

Donnerstagmittag hat die EZB die vorläufigen Resultate den Banken übermittelt. Bis Samstagmittag hatten die Institute Zeit, möglichen Korrekturbedarf anzumelden und der Veröffentlichung der Zahlen zuzustimmen. Endgültig feststehen werden die Ergebnisse am Sonntag, wenn die EZB sie um 12 Uhr nach einer Sitzung des EZB-Rats veröffentlicht.

Die mächtigste Frau der Branche: Danièle Nouy entscheidet über Bilanzlügen in der EU. - © reu/Y.Herman
Die mächtigste Frau der Branche: Danièle Nouy entscheidet über Bilanzlügen in der EU. - © reu/Y.Herman

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin erwartet bei den europaweiten Banken-Checks eine turbulente Schlussphase. Es werde "noch den einen oder anderen Holperer" geben, sagte BaFin-Chefin Elke König der "Börsen-Zeitung". "Dass man bei 130 Banken und so vielen Angaben alle Daten im Template ganz richtig eingetragen hat, grenzte ja an ein Wunder. Daher wird es vor Publikation der Daten am Wochenende sicher noch die eine oder andere Korrekturschleife geben."

Die deutsche Chef-Aufseherin geht davon aus, dass die Zeit reichen wird, um die Angaben zu überprüfen. "Die Institute wissen ja inzwischen, wo sie hinschauen müssen." Es seien ab Samstagmittag bewusst weitere 24 Stunden bis zur Veröffentlichung eingeplant. "Damit bleibt hoffentlich genug Zeit für Qualitätssicherung und für Nachfragen." Der Sonntag werde spannend. "Es wird ganz sicher Punkte geben, von denen man sagen wird, dass die EZB sehr konservativ gerechnet hat."

Großreinemachen vor der Übernahme der Aufsicht

Hintergrund der Prüfungen ist der Start der Bankenaufsicht bei der EZB als Teil der neuen Bankenunion. Die Euro-Notenbank in Frankfurt übernimmt am 4. November die zentrale Kontrolle über die wichtigsten Banken in der Währungsunion - und muss dazu genau über den Zustand der Kreditwirtschaft Bescheid wissen. Mit den Checks will die EZB sicherstellen, dass ihr nach der Übernahme der zentralen Bankenaufsicht keine bösen Überraschungen drohen.

Die Präsentation der Ergebnisse am Sonntag wird auch Danièle Nouy einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Denn die Französin wird die mit 4. November beginnende EZB-Bankenaufsicht - Single Supervisory Mechanism - über Europas größte Banken leiten. Sie war es, die in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ihren Mitarbeitern und tausenden Wirtschaftsprüfern die wichtigsten Banken der Eurozone sowie einige Institute aus EU-Staaten ohne die Einheitswährung auf Herz und Nieren getestet.

Den größten Teil ihrer Karriere verbrachte Nouy bei der französischen Notenbank Banque de France, wo sie von 2007 an die Abteilung für Banken- und Versicherungsaufsicht leitete. Neben ihrer fachlichen Kompetenz konnte Nouy einen weiteren Trumpf vorweisen, der für sie sprach: Sie ist eine Frau. Vor rund zwei Jahren hatte das Europäische Parlament, allen voran die britische Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, Sharon Bowles, dagegen protestiert, dass im sechsköpfigen Direktorium der EZB keine einzige Frau sitzt. Vorübergehend blockierten die Abgeordneten die Ernennung des Luxemburgers Yves Mersch in das Gremium. Mit der Nominierung der Französin 2013 dürfte die EZB auch auf diese Kritik reagiert haben. Im Dezember sprach sich eine breite Mehrheit der EU-Parlamentarier für die heute 64-Jährige aus.

Ihre europäischen Kollegen beschreiben die blonde Französin nicht nur als überzeugte Europäerin, sondern auch als charakterstark, streng, anspruchsvoll und wenig nachgiebig. "Die Banker kuschen vor ihr, und das ist in diesen Zeiten eher positiv", zitierte die Pariser Zeitung "Le Monde" einen europäischen Finanzexperten. "Sie ist überzeugt von der Notwendigkeit, die Banken zu regulieren. Andere berichteten voller Respekt, Nouy habe bereits lange vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor den Gefahren "exotischer" Anlageprodukte gewarnt.