Rom.  Die Ergebnisse des EZB-Stresstests haben sich negativ auf die Mailänder Börse ausgewirkt. Die italienischen Krisen-Institute Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) und Banca Carige meldeten starke Kursstürze. Die Aktien der MPS, des ältesten Geldhauses der Welt, fielen um 15 Prozent auf 0,85 Euro. Die Börsenaufsicht hat daraufhin Leerverkäufe mit MPS-Aktien vorrübergehend verboten.

Bei dem Verbot der Leerverkäufe handle sich um eine bis Dienstagabend anhaltende Maßnahme, teilte die Börsenaufsichtsbehörde Consob am Montag mit. Bei Leerverkäufen handelt es sich im Prinzip um eine Wette auf sinkende Kurse. Die Aktien der Bank waren nach den massiven Kursverlusten am Montagvormittag vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden.

Große Kapital-Lücken

Noch tiefer als für die MPS-Papiere ging es für die Aktien der Banca Carige bergab. Sie brachen um bis zu 18 Prozent ein und waren mit 0,08 Euro so billig wie nie zuvor. MPS und Carige haben mit gut zwei beziehungsweise knapp einer Milliarde Euro innerhalb des italienischen Bankensektors die größten Kapital-Lücken.

Besser schnitten die übrigen börsennotierten italienischen Banken ab, die beim Stresstest ebenfalls durchgefallen sind. Banca Popolare dell' Emilia Romagna und Banca Popolare di Milano stiegen in der Spitze um jeweils mehr als drei Prozent. Banco Popolares Aktien legten zeitweise sogar 7,5 Prozent zu.

"Keine Verhandlungen im Gange"

Monte dei Paschi di Siena, dessen Verwaltungsratvorsitzender der ehemalige UniCredit-CEO Alessandro Profumo ist, muss ihre Kapitaldecke um 2,1 Mrd. Euro stärken, berichtete die italienische Notenbank. "Alle Option sind offen, auch eine Fusion, doch bis jetzt sind keine Verhandlungen im Gange", erklärte MPS-Geschäftsführer Fabrizio Viola. Er schloss aus, dass die Bank wieder auf Staatshilfen zurückgreifen könnte, um die Kapitaldecke zu konsolidieren.

Die drittgrößte italienische Bank hatte 2013 wegen fauler Kredite und fehlgeschlagener Derivategeschäfte 4,1 Mrd. Euro an Staatshilfe benötigt. Das Geld muss sie nun teilweise zurückzahlen, um einer Verstaatlichung zu entgehen. Deshalb hatte Monte Paschi eine Kapitalerhöhung in die Wege geleitet, bei der sie im Juni knapp 5 Mrd. Euro durch die Ausgabe neuer Aktien eingenommen hatte.

Industriepläne

Die Mailänder Bank-Austria-Mutter UniCredit ist im Test durchgekommen. "Ich bin über die exzellenten Ergebnisse zufrieden, die uns ermöglichen, die Gewinnprognosen bis Ende 2014 zu bestätigen", kommentierte CEO Federico Ghizzoni. Seiner Ansicht nach sei das italienische Bankensystem grundsätzlich solide. "Die italienischen Banken, die die Stresstests bewältigt haben, können sich jetzt auf ihre Industriepläne konzentrieren und mehr Kredite gewähren", so Ghizzoni im Interview mit der Turiner Tageszeitung "La Stampa".

Ghizzoni dementierte, dass UniCredit Akquisitionen oder Fusionen zur weiteren Konsolidierung der Kapitaldecke plane. "Wir wachsen und erwerben neue Marktanteile dank unseres Netzes, das passt uns so", betonte der Banker.

Italien schneidet am schlechtesten ab

Italiens Banken haben im Stresstest der EZB am schlechtesten abgeschnitten. Gleich neun Institute sind durchgefallen. Laut Fabio Panetta, Vize-Generaldirektor der Banca d'Italia, haben fünf Geldhäuser jedoch schon durch eine Erhöhung der Kapitalpuffer vorgesorgt. Italiens Zentralbank betonte, der Test habe die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems gezeigt - obwohl das Land in den vergangenen Jahren eine tiefe Krise durchgemacht habe. Panetta erklärte, die Ergebnisse seien "insgesamt beruhigend und nicht überraschend".

Der Präsident der italienischen Bankenvereinigung ABI, Antonio Patuelli, betonte, dass das italienische Bankensystem einen hohen Preis für die Schwäche der nationalen Wirtschaft zahle. "Die italienische Staatsschuld belastet unsere Banken. Italien ist außerdem ein Land mit schwachen Unternehmen. Staatshilfen sind hinzu Deutschland und Spanien, nicht den italienischen Banken gewährt worden", kommentierte Patuelli im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Montag.