In mehreren Radiosendern startet bereits jetzt eine isländische Welle, die den diesjährigen Frankfurter-Buchmesse-Ehrengast im Äther begleiten wird. Radio Ö1 setzt ab 1. Oktober einen unüberhörbaren Schwerpunkt zur Literatur, zur gesellschaftlichen Lage sowie zu den Naturphänomenen des europäischen Inselstaates im Atlantik, der nicht immer als Teil Europas wahrgenommen wird.

In jüngster Zeit hat Island gleich zweimal durch Vulkanasche, die den internationalen Flugverkehr behinderte, von sich reden gemacht. Erst heuer im Mai war es der Vulkan Grimsvötn, der im Süden Islands unter dem größten Gletscher Europas beheimatet ist, der Mengen von Asche gen Himmel schickte. Und ein Jahr zuvor hatte ein anderer isländischer Gletschervulkan, der Eyjafjallajökull, mit seiner Aschenwolke den Luftverkehr für längere Zeit beeinträchtigt. Nicht zuletzt hat die Welt im Jahr 2008 ihre Blicke nach Island gerichtet als die Wirtschaftskrise dort ihren Höhepunkt erreichte.

Große Leidenschaft für die Literatur

Weniger bekannt ist, dass der kleine Inselstaat im Atlantik exzellente Literatur zu bieten hat. Unter den nur etwa mehr als 300.000 Einwohnern gibt es praktisch ebenso viele Schriftsteller, lautet eine gern verbreitete Meinung.

Tatsache ist, dass die Leidenschaft für die Literatur groß ist. Nicht zuletzt hat Island ja auch mit Halldór Laxness (1902 bis 1998) einen Literatur-Nobelpreisträger.

Seit der späten Besiedelung vor rund 1100 Jahren gilt Island auch als soziales Experiment. Die hier entstandene Gesellschaft hat sich stets vom Rest Europas unterschieden. Statt für Königsherrschaft entschieden sich die Siedler für ein Parlament. Das "Althing" tritt hier, mit nur kurzen Unterbrechungen, bereits seit dem Jahr 930 zusammen.

Island galt bereits Mitte des 20. Jahrhunderts in vielerlei Hinsicht als gesellschaftliches Vorbild, bis 2008 der Sturz in die schwere Finanzkrise einen Bruch herbeiführte. Seither bemüht man sich um Rückbesinnung auf die Stärken, die das (Über-)Leben im Nordatlantik Jahrhunderte lang möglich gemacht haben.

Natur, Literatur und Neufindung

Auch die Sendungen des Ö1-Schwerpunkts widmen sich nicht nur den Naturphänomenen der Insel wie etwa den Geysiren ("Dimensionen", "Ambiente") und der Literatur Islands ("Ex libris", "Kulturjournal", "Tonspuren", "Café Sonntag", "Radiogeschichten", "Terra incognita"), sondern auch der Neufindung einer Gesellschaft ("Radiokolleg", "Von Tag zu Tag") sowie der politischen Aufarbeitung und wirtschaftlichen Bewältigung der Krise ("Journal-Panorama","Saldo","Europa-
Journal").

Worauf man besonders stolz ist auf Island: Mitten in der Krise ist es gelungen, am Reykjaviker Hafen das architektonisch spektakuläre Konzerthaus und Konferenzzentrum "Harpa" zu errichten, das nun vor einem Monat eröffnet wurde ("Diagonal") und auch Sitz der Isländischen Oper sowie des Iceland Symphony Orchestra ist.

Island-Schwerpunkt im Radio

Radio Ö1 bringt ab 1. Oktober täglich Sendungen und Beiträge, die dem Buchmesse-Ehrengast Island gewidmet sind. Auch die deutschen Sender widmen sich dem Thema. - Die Frankfurter Buchmesse von 12. bis 16. Oktober

www.buchmesse.de/de/ehrengast

http://en.harpa.is