"Mir war gleich klar, dass es sich um einen Anschlag handelte"

Als die Schüsse fallen, begreift Triomphe den Ernst der Lage sofort: "Mir war gleich klar, dass es sich um einen Anschlag handelte", erinnert er sich. Er versucht, sich zu verstecken, doch die Kugeln kommen zu schnell. Eine, vielleicht sogar zwei – darüber sind sich seine Ärzte uneinig - treffen ihn an der Hüfte, verletzen seinen Ischiasnerv und den Darm. Eine weitere trifft ihn am rechten Arm. Am Bein und am Knöchel bekommt er Kugelsplitter ab. "Dass ich überlebt habe, verdanke ich einer Ärztin aus Italien", ist er überzeugt. Die Frau, ebenfalls Kundin in "La Bonne Bière", leistete sofort erste Hilfe.

Noch vor Ort gelang es Triomphe, eine Freundin zu verständigen. Auch auf dem Weg in die Notaufnahme blieb er bei Bewusstsein. Einen Tag später wurde er operiert und verlor ein Stück seines Darms. Die ersten sechs Wochen im Krankenhaus verbrachte er ausschließlich liegend. In dieser Zeit kam ihn der junge Amerikaner besuchen. Dieser war bei dem Angriff ebenfalls verletzt worden, konnte sich aber bald wieder fortbewegen. Die beiden Männer haben bis heute Kontakt.

Ende Dezember wurde Triomphe zur Rehabilitation ins Militärkrankenhaus Percy verlegt. Dort konnte er sich zum ersten Mal seit dem Anschlag wieder aufsetzen und einen Rollstuhl benutzen. Nach und nach musste er das Gehen wieder erlernen: "Ein komisches Gefühl, wenn man über 50 Jahre alt ist", sagt er. Erst Ende März konnte er das Krankenhaus verlassen.

Mit den Folgen der Verletzungen leben müssen

Heute, ein Jahr nach den Anschlägen, bereitet dem 58-Jährigen das Gehen auf ebenen Wegen kaum mehr Schwierigkeiten. Aber mit den Folgen der Verletzung des Ischiasnervs hat er zu kämpfen. Teile seines rechten Fußes sind gelähmt. Dem Wandern, seiner Leidenschaft, kann er nicht mehr nachgehen. "Und auch mein Paar Ski wird wohl in einer Hütte in den Alpen verrosten", sagt er mit einem Lächeln, so, als hätte er sich damit abgefunden.

Was passiert ist sieht er als "merveilleux malheur" – ein wunderbares Unglück. Denn sein Leben hat sich dadurch verändert. Heute sehe er die Dinge gelassener: "Ich dachte, ich würde sterben. Da ordnet man seine Prioritäten neu". Als ihn sein Neffe im Februar 2016 fragte, was er von der umstrittenen Arbeitsmarktreform halte, gegen die die Menschen im ganzen Land monatelang auf die Straße gingen, kostete das Triomphe nur ein Schulterzucken: "In meinem früheren Leben hätte ich 50 Argumente für und gegen die Reform parat gehabt. Heute erscheint mir die Frage sekundär."