Berlin. Die G7-Länder Deutschland und Japan wollen ihre Beziehungen wirtschaftlich und politisch erheblich ausbauen. Dafür soll möglichst schnell ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan geschlossen werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch nach einem Gespräch mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe in Berlin. "Das Jahr 2015 zum Beispiel wäre dafür ein gutes Jahr. Deutschland wird darauf hinarbeiten." Hintergrund ist, dass im kommenden Jahr auch das Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und den USA fertig sein soll.

Abe warb bei der deutschen Wirtschaft um ein Engagement in seinem Land. "Ihre Investitionen sind in Japan herzlich willkommen", sagte er auf einer Wirtschaftskonferenz in Berlin. "Japan misst der wirtschaftlichen Partnerschaft mit Europa große Bedeutung bei." Eines seiner Ziele sei, die ausländischen Direktinvestitionen in seinem Land bis 2020 zu verdoppeln. Japan ist mit einem bilateralen Handelsvolumen von rund 37 Milliarden Euro einer der wichtigsten Partner Deutschlands in Asien. Beide Regierungen regten eine stärkere Zusammenarbeit mittelständischer Firmen an.

Unterschiedliche Konzepte bleiben

Unterschiede zwischen beiden Ländern gibt es aber weiter in der Finanzpolitik. Merkel betonte angesichts der lockeren japanischen Geldpolitik, dass dies kein Rezept für die Euro-Zone und die EU sei. Für jedes Land gebe es andere Probleme und Lösungen. Sie wünsche der japanischen Regierung aber bei dem Versuch Erfolg, der Wirtschaft wieder zu Wachstum zu verhelfen. Abe betonte, dass sein Land auf dem Weg aus der jahrelangen Phase des wachstumsschädlichen Preisverfalls sei. Im April hätten die ersten vier japanischen Unternehmen Lohnerhöhungen vereinbart. Japan sei "im Begriff, sich aus der langandauernden Deflation zu befreien". Seine als Abenomics bekannte Reformpolitik wolle er fortführen. Für Sommer kündigte Abe eine neue Wachstumsstrategie an.

Eine engere Zusammenarbeit streben beide Staaten auch in der Sicherheitspolitik an. Merkel und Abe sprachen nach eigenen Worten über die Ukraine und die Spannungen im Ostchinesischen Meer. Die Kanzlerin forderte angesichts des japanisch-chinesischen Streits um eine Inselgruppe, dass derartige Auseinandersetzungen von internationalen Institutionen geregelt werden müssten. Bei internationalen Friedeneinsätzen würden beide Länder künftig enger zusammenarbeiten. Abe kündigte an, dass man vor allem bei der Piratenbekämpfung vor der Küste Somalias enger kooperieren wolle. Gemeinsam wolle man sich zudem für eine Reform des UN-Sicherheitsrates einsetzen. Abe schlug vor, dass sich beide Länder regelmäßig in sicherheitspolitischen Fragen austauschen sollten. Deutschland wird 2015 den G7-Vorsitz haben und Japan im Jahr darauf.