1) Wie wahrscheinlich ist es, dass TTIP kommt?

Die langen Verhandlungen ohne nennenswerte Ergebnisse sprechen nicht für ein rasches Inkrafttreten des Abkommens. Das Brexit-Votum im Juni löste bei den US-Amerikanern zudem Zweifel am geplanten Freihandelabkommen aus. Fällt Großbritanniens Wirtschaftsraum künftig weg, verliert TTIP für die USA stark an Attraktivität. Gibt es während der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama bis Jänner 2017 keine Einigung, sinken die Aussichten für die Vereinbarung zudem drastisch, denn seine möglichen Nachfolger haben sich im Wahlkampf gegen TTIP ausgesprochen.

Auch das Wirtschaftsministerium in Berlin hegt Zweifel. Ein kürzlich ausgesendetes Expertenpapier zieht ein ernüchterndes Fazit: Es gebe im Grunde keine Fortschritte. Sigmar Gabriel (SPD) sorgte mit seinem öffentlichen Zweifel an der jetzigen Version des Abkommens für Spannungen in der Koalition. Der Wirtschaftsminister hadert mit der mangelnden Rückendeckung aus seiner eigenen Partei. Mitte September war die Endrunde der TTIP-Verhandlungen angedacht. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström trifft sich am 22. September mit Gabriel und den anderen EU-Wirtschaftsministern.

2) Wer ist dafür, wer dagegen?

Auf beiden Seiten des Atlantiks sind viele Wirtschaftsvertreter und Politiker vom Freihandel begeistert. Massive Ablehnung kommt dagegen besonders von Umweltverbänden, Verbraucherorganisationen und Gewerkschaften. Aber auch die jüngsten Entwicklungen im US-Präsidentschaftswahlkampf bescheinigen dem Abkommen keine blühende Zukunft. Der Republikaner Donald Trump hat sich von Beginn seines Wahlkampfes an gegen TTIP ausgesprochen. Auch die Demokratin Hillary Clinton schwenkt nun zu mehr Protektionismus um - obwohl sie als Außenministerin unter Obama das Transpazifische Abkommen (TPP) aushandeln ließ. Mit diesem Zugeständnis sichert sie sich die Stimmen der Anhänger ihres Vorwahl-Konkurrenten Bernie Sanders. Wird Clinton Präsidentin, hat TTIP jedoch noch eine Chance - prinzipiell steht sie für Freihandelsabkommen. Nach wie vor dafür ist Angela Merkel. Die deutsche Regierung betonte wiederholt, dass man an einem zügigen Abschluss der Verhandlungen interessiert sei - genauso wie Obama.

Gabriel wirbt zwar für Ceta - zum Ärger seiner Partei -, äußert sich aber immer kritischer zu TTIP.