Trump hat gelobt, die wegen Umweltauflagen geschlossenen Mienen wieder aufzusperren und Jobs zu schaffen. Seine Rivalin Hillary Clinton tritt hingegen für mehr Klimaschutz - und somit gegen schmutzige Kohle - ein. Mit dieser Ansage gewinnt man in McDowell keine Wähler.

Sabrina Shrader (r.) auf Hausbesuch bei ihren Wählern. - © A. Fanta
Sabrina Shrader (r.) auf Hausbesuch bei ihren Wählern. - © A. Fanta

Selbst die Gegner Trumps in dem County haben Verständnis für seine Anziehungskraft. "Sein Spruch ‚Make America Great Again‘ gibt den Leuten Hoffnung. Weil sie wissen, dass die Dinge schon so schlecht für sie stehen", sagt Sabrina Shrader. Die 31-Jährige wuchs selbst in ärmsten Verhältnissen in McDowell auf und kandidiert heute für die Demokraten um einen Sitz im Abgeordnetenhaus West Virginias.

Viele Arme verstünden das Zusammenspiel von Geld und Macht nicht, klagt Shrader. Sie wählten darum Milliardäre wie Trump, auch wenn dies gegen ihre Interessen gehe. "Was ich aus der Bibel weiß, ist, dass die Leute manchmal nur auf die harte Art dazulernen", sagt sie. Am Auseinanderdriften des reichen und armen Amerika wird die nahende Präsidentenwahl wohl kaum etwas ändern. Dies liege schon daran, dass die meisten Amerikaner wenig über das wahre Ausmaß der Not in den ehemaligen Industriegebieten wüssten, sagt der Armutsforscher Edward Goetz. Und die Schuld den Notleidenden selbst gäben. "Der vorherrschende Glaube ist, dass die Armen wegen ihrer Fehler arm sind, aus Faulheit, krimineller Neigung und schlechter Erziehung", erklärt der Politikwissenschafter. Daher werde auch viel zu wenig gegen die Ursachen der Verarmung getan - Jobmangel, Strukturwandel, unterfinanzierte Schulen und fehlende Infrastruktur.

In McDowell hoffen manche längst nicht mehr auf Hilfe von außen - und stellen sich auf ein Leben als Selbstversorger ein. Neben der Lagerhalle, aus der Helferin McKinney Essen an Bedürftige verteilt, hat sie Gemüsegärten angelegt.

Dort zeige sie den Leuten, wie man für den eigenen Bedarf anbaut, erzählt sie. Ihr Sohn Joel will nebenan einen Bauernmarkt für sein selbstangepflanztes Gemüse eröffnen und auch Lebensmittelmarken von der Sozialhilfe akzeptieren. Der Umstieg von Kohle auf Landwirtschaft ist, so glaubt der junge Mann, ein bescheidenes Pflänzchen Hoffnung für ein sterbendes County.