Washington. Wie hat es Donald Trump geschafft? Die US-Wahlanalysen zeigen, dass der künftige US-Präsident seinen Überraschungssieg dem Zusammenspiel von mehreren Faktoren zu verdanken hat. Ihm gelang es, noch stärker als von den meisten Wahlforschern vermutet, die weißen Wähler aus vorwiegend nicht-akademischen Schichten für sich zu mobilisieren.

Zugleich gelang es Hillary Clinton nicht, in ausreichendem Maße die Unterstützung von Afroamerikanern, Latinos und Jungwählern zu gewinnen.

WEISSE: Den Kern der Trump-Anhängerschaft bilden weiße Männer ohne Hochschulabschluss. In dieser Gruppe stimmte laut einer auf Nachwahlbefragungen beruhenden Analyse der Zeitung "Washington Post" eine Mehrheit von 72 Prozent für den Republikaner. Aber auch unter den weißen Männern mit akademischer Ausbildung lag er demnach mit einem Anteil von 54 Prozent deutlich vor Clinton, die in dieser Gruppe nur auf 39 Prozent kam.

Auch unter weißen Frauen fand Trump trotz seiner vulgären Sprüche und Prahlereien mit sexuellen Übergriffen beachtliche Zustimmung. 62 Prozent der weißen Frauen ohne Hochschulabschluss stimmen für ihn. Unter den weißen Akademikerinnen waren es immerhin noch 45 Prozent, für Clinton stimmten 51 Prozent.

AFROAMERIKANER: Trump profitierte davon, dass Clinton die schwarzen Wähler nicht im gleichen Ausmaße mobilisieren konnte wie Barack Obama - und dies, obwohl sich der Republikaner im Wahlkampf abschätzig über die afroamerikanische Gemeinschaft ausgelassen hatte.

Nach einer Analyse des TV-Senders CNN holte die Demokratin zwar 88 Prozent der "schwarzen" Stimmen, Trump nur acht Prozent. Der afroamerikanische Präsident hatte vor vier Jahren allerdings 93 Prozent der schwarzen Wähler hinter sich, während sein damaliger Rivale Mitt Romney in dieser Gruppe nur sieben Prozent holte. Hinzu kam in diesem Jahr, dass der Anteil schwarzer Wähler insgesamt niedriger war. Er lag laut CNN mit zwölf Prozent um einen Punkt niedriger als 2012.

LATINOS: Vor der Wahl war viel davon die Rede, dass die Wähler lateinamerikanischer Herkunft den Ausschlag zugunsten von Clinton geben könnten - schließlich hatte Trump im Wahlkampf gegen die Hispanics gepöbelt, den Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze sowie die Ausweisung von Millionen Einwanderern ohne Papiere angekündigt.

Nach Schätzung des Pew-Forschungsinstituts beteiligten sich jedoch weniger als die Hälfte der mehr als 27 Millionen registrierten Latino-Wähler an dem Votum. Ihr Anteil an der gesamten Wählerschaft lag damit nur bei elf Prozent. Das war laut Pew nur ein Prozentpunkt mehr als vor vier Jahren.

Und unter diesen rund 13 Millionen Latino-Wählern fiel die Unterstützung für Clinton wiederum nicht derart massiv aus, wie sie dies gebraucht hätte. 65 Prozent dieser Wähler stimmten für die Demokratin, immerhin 29 Prozent für Trump. Vor vier Jahren hatte Obama in dieser Wählergruppe eine Zustimmung von 71 Prozent erreicht, Romney kam nur auf 27 Prozent.

JUNGWÄHLER: Trumps Erfolg beruht auch darauf, dass seine Kontrahentin nicht genügend Zuspruch unter jungen Wählern fand. Viele junge Leute hatten sich für Senator Bernie Sanders begeistert, ihren innerparteilichen Rivalen in den Vorwahlen. Doch Clinton sahen viele nur als Vertreterin eines verkrusteten Establishments.

In der Wählergruppe der 18- bis 29-Jährigen gewann die Demokratin laut CNN 55 Prozent der Stimmen, Trump 37 Prozent. Obama hatte 2012 in dieser Gruppe eine Unterstützung von 60 Prozent, während Romney ebenso wie jetzt Trump dem Sender zufolge auf 37 Prozent kam.