Hempstead/Wien. Eine knappe Autostunde vom Trump-Tower entfernt, an der Hofstra Universität in Hempstead, Long Island, unweit von New York trafen Montag Nacht die beiden Kontrahenten, der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump und sein demokratisches Gegenüber, Hillary Clinton, aufeinander.

Das Ritual gibt es seit dem 26. September 1960, als der Republikaner Richard Nixon mit dem Demokraten John F. Kennedy rhetorisch die Klingen kreuzte. Nixon war nach Einschätzung der meisten Experten der gewitztere Rhetoriker, doch seine Körpersprache und sein Schwitzen ließen ihn in den Augen der Zuschauer wie ein Verlierer aussehen. Und so kam es dann auch: Kennedy wurde zum Präsidenten gewählt. 1964, 1968 und 1972 gab es keine Fernsehdebatten der Spitzenkandidaten, erst seit 1976 gehört dieses US-Fernsehgroßereignis zur eingeübten Folklore der US-Wahlkämpfe. Und eines der ungeschriebenen Gesetze lautet: Die Kanidaten können mit ihrer Performance wenig dazu beitragen, die Wahl zu gewinnen, aber eine unbedachte Äußerung, nachlässige Körpersprache, sichtliche Nervosität oder mangelnde Schlagfertigkeit können dazu beitragen, dass ein Kandidat (und 2016 erstmals: eine Kandidatin) die Wahl verliert.

Nie zuvor haben mehr Menschen zugesehen: Was einerseits wohl daran liegt, dass alle sehen wollten, wie der demagogische Populist Donald Trump sich in der 90-minütigen Debatte schlägt, andererseits auch daran, dass nie mehr Menschen die Möglichkeit hatten, zuzuschauen oder zuzuhören: mit Tablets und Mobiltelefonen - oder ganz altmodisch, am guten, alten Fernsehgerät. Das ursprüngliche Konzept: Die beiden Kandidaten sollten mit brillanter Redekunst und den besseren Argumenten die Stimmbürger überzeugen. Am Marktplatz der Ideen sollte sich das überzeugendere Zukunftskonzept und am Jahrmarkt der Eitelkeiten die charismatischere politische Führungsfigur durchsetzen. Den Stimmbürgern sollte so geholfen werden, bessere Entscheidungsgrundlagen für ihre Wahl zu bekommen. Die Schwarm-Intelligenz der Masse würde dann schon dazu führen, dass der oder die Geeignetste US-Präsident oder US-Präsidentin wird. Doch was ist aus dieser Idee geworden?

Kulturpessimisten beklagen, dass die rhetorische Kunst seit Jahren einen Niedergang erfährt: "Die Krise der Politik ist eine Krise der politischen Sprache", schreibt der Medienmanager Mark Thompson in seinem neuen Buch "Enough Said: What‘s gone Wrong with the Language of Politics". "Wenn das politische Führungspersonal Wörter verwendet, um niederzuknüppeln, statt zu überzeugen, wenn Meinung über die Fakten triumphiert und die Menschen aufhören, einander zuzuhören, dann haben wir die perfekten Ingredienzien für einen wahren Demagogen", so der frühere BBC-Chef und heutige Spitzenmanager der "New York Times".