Cartagena nueva
Cartagena nueva

Der Kreuzfahrttourist genießt die Bequemlichkeit seines Schiffs, seine Landausflüge sind in der Regel organisiert  - kritische Geister meinen, auf diese Weise werde man nur mit bunten Bildern konfrontiert, lerne in Wahrheit die besuchten Länder gar nicht kennen. Nun, die Perspektive des Fußwanderers oder Arbeitsmigranten ist sicher eine andere, aber ein wenig von dem, was man einst kritisches Bewusstsein nannte, lässt sich auch als Pauschaltourist gewinnen.

Zum Beispiel Karibik: vordergründig ist das heute ein grünes Paradies mit  freundlichen zumeist jungen Menschen, weißen Traumstränden und einem angenehmen Klima. Freilich: wer sich aber ein wenig Zeit nimmt, die komplexe und tragische Geschichte der großen und kleinen Antillen zu studieren, ist entsetzt über das Ausmaß an Brutalität und Ausbeutung, auf dem die heutige (scheinbare) Idylle beruht. Der Zuckerrohranbau und die mit ihm verbundene Plantagenwirtschaft wurde  von einer winzigen  weißen Oberschicht organisiert, die über Jahrhunderte  Millionen  Afrikaner  als Sklaven buchstäblich zu Tode zu schinden bereit war.

Ein Buch wie  "Sprengt die Ketten" von Adam Hochschild  ist hier als Reisebegleiter sehr zu empfehlen.

Wir haben jetzt auf unserer Weltumrundung mit der Costa Deliziosa ab 17.1.2013 die britisch geprägten Inseln Barbados und Grenada besucht, dann die bis heute niederländischen Inseln Curacao und Aruba, und den  spanisch geprägten kolumbianischen Festlandshafen Cartagena. Wir haben Kinder in britischen Schuluniformen gesehen und uns vor Linksverkehr in Acht genommen, haben Gewürze gekauft. die bunten holländischen Giebelhäuser von Curacao und deren postmoderne touristische Nachfolger fotografiert und hatten sogar Zeit, gelegentlich im warmen karibischen Meer zu baden.

Besonders beeindruckt hat uns aber das Kura Hulanda Museum. Das ist ein 2001 vom niederländischen Unternehmer Jacob Gelt Dekker geschaffenes Museum in Willemstad auf Curaçao, das sich mit afrikanischer Kultur aber auch mit der Geschichte der Diskriminierung der Afroamerikaner in der "Neuen Welt" und speziell mit der Sklaverei in Westindien befasst.

1997 wurde das historische Zentrum von Willemstad, die Stadtteile Otrabanda und Punda, zu Weltkulturerbe im Sinne der UNESCO erklärt. Wenig später hat  J.G. Dekker Teile des ärmlichen Otrabanda gekauft,  und sie in ein Fünfsternehotel umgebaut. Teil dieses Projekts war dieses Museum. In einem wahren Labyrinth von 17 (!) sanierten Altstadthäusern sieht man bedeutende Kunstwerke aus Benin aber auch einen Nachbau des Inneren eines Sklavenschiffes, man wird mit Pionieren afroamerikanischer Bewusstseinsbildung wie Marcus Garvey vertraut gemacht aber auch mit Abbildungen und Dokumenten schockierender rassistischer Grausamkeit. Schade, dass es über dieses bemerkenswerte Museum noch keinen Katalogband gibt.

Karolines Postskriptum:
Nach der Atlantiküberquerung war ich schon sehr froh - wie wahrscheinlich Columbus auch - dass ich wieder an Land gehen konnte. Ich bin doch eine Landratte (korrekt gegendert heißt das wohl Landrättin - oder?). A propos Tiere: außer ein paar hübschen braunen Wildtäubchen und schwarzen, zarten Vögeln (Stare?) mit listigen hellen Augen habe ich noch nichts von der heimischen Tierwelt zu sehen bekommen - der zahme, angekettete arme Affe (eigentlich eine Meerkatze ) mit dem man sich um einen Dollar fotografieren lassen kann, zählt da nicht wirklich. Aber es ist ja auch kein Wunder, wenn  täglich hunderte Touristen z.B. durch den  wunderschönen Flower Forest in Barbados stapfen.

Aber die Pflanzenwelt -die ja nicht wegrennen kann - ist großartig. Es blüht und grünt gigantisch - was bei uns zu Hause als Zimmerpflanze im Topf mehr oder weniger dahinkümmert, wird hier baumhoch. Grandios !! Ich mache viel mehr Fotos, als ich geplant habe, weil's so schön ist...