So wird laut Hofer in der gesamten Medienwelt Direktkommunikation immer wichtiger, auch wenn es um die Sekundärverwertung von Inhalten geht, wie das etwa beim "Faktencheck" von Georg Niedermühlbichler war. Denn damit könne gleich die eigene Interpretation mitgeliefert werden - sowohl für jene, die das Sommergespräch nicht gesehen haben, als auch für jene, die es gesehen haben. "Interessant sei dann nämlich, was zum Schluss übrig bleibt. Ist es das für den Journalisten relevante Volksbegehren-Thema oder ist es ein Sager, der im Internet um 70 Prozent mehr Likes erzeugt hat."

Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die heimische Wahlkampfkultur fasst Hofer folgendermaßen zusammen: Sie wird populistischer, Botschaften werden öfter verändert, sie kommen immer seltener an und es gibt einen signifikanten Kontrollverlust über die mediale Verbreitung von Inhalten.

Tempo auch im normalen Leben

Medienpsychologe Peter Vitouch vom Publizistikinstitut der Universität Wien sieht das ähnlich: Man könne an dem Beispiel der Sommergespräche sehen, dass sich die Kommunikationsstrategen der Parteien den neuen Kommunikationstechnologien anpassen beziehungsweise anpassen müssen, um auf den verschiedenen Kommunikationsebenen auch möglichst schnell präsent zu sein.

Man könne einfach nicht mehr die Tweets der Twittergemeinde unkommentiert überlassen. "Der andere Aspekt dabei ist natürlich, dass die Möglichkeit verbessert und erhöht wird, auf politische Aussagen der jeweiligen Gegenspieler sofort zu reagieren", meint Vitouch.

Im Vergleich zur Wien-Wahl vor fünf Jahren habe sich auf jeden Fall viel verändert, meint der Experte. Auch im normalen Leben, abseits der Politik, könne man es sich nämlich nicht mehr leisten, lange Zeit zwischen Wortmeldungen vergehen zu lassen. Und im politischen Kontext ist das laut Vitouch ohnehin eine leichte Übung, "weil man im Grunde genommen als politische Partei in etwa weiß, welche Haltungen der politische Gegner vertritt, sich so vorbereiten kann und die Gegenargumente schon liefern kann, bevor die entsprechende Aussage noch getätigt wurde."

Die Auswirkungen dieser Entwicklung ist laut Vitouch "ein Wettbewerb, der möglichst alle Kommunikationskanäle besetzen wird, um die eigenen Nachrichten und Inhalte zu transportieren." Und der Rezipient wird wohl lernen müssen, besser zwischen journalistischen und politischen Aussagen zu unterscheiden.