Ausgeklügeltes Bewässerungssystem

Der Forscherin zufolge deuten neu entdeckte oder vordem falsch interpretierte Schrifttafeln aus Assyrien einhellig auf Ninive als auf die Heimat der Hängenden Gärten hin. Sanherib selbst, der König Assyriens, soll auf einer dieser Tafeln von seinem "einzigartigen Palast" als von einem "Wunder für alle Völker" gesprochen haben. Er soll auch eine aus Bronze gefertigte Riesenschraube beschrieben haben, mit deren Hilfe sich Wasser von unten nach oben befördern ließ.

Ein ganzes kompliziertes System von Dämmen, Kanälen und Aquädukten habe man in Ninive entwickelt, um aus fern gelegenen Bergbächen Wasser in die Stadt zu leiten, meint Dalley. Den Schriften selbst sei zu entnehmen, dass dieses Wasser "den ganzen Tag lang" in die Höhe befördert werden konnte.

Dalley weist darauf hin, dass Ausgrabungen im Bereich Ninives auf Spuren solch alter Aquädukte gestoßen sind. Eines davon sei so riesig "wie ein ganzer Autobahnabschnitt" gewesen. Es habe eine Inschrift enthalten, der zufolge "Sanherib, König der ganzen Welt" erklärte: "Von fern her habe ich einen Wasserlauf in die Umgebung Ninives geleitet."

Abbildungen von Gärten sind auch auf einem Relief zu sehen, das Sanherib auf seinem Streitwagen zeigt. In der Tat, argumentiert Stephanie Dalley, habe sich die hügelige Topographie Ninives für ein solches Unternehmen auch wesentlich besser geeignet als das Flachland von Babylon. In Babylon hätte man kaum die Art von höher gelegenen Gärten konstruieren und mit Wasser bedienen können, die die alten klassischen Quellen verzeichnen.

Zudem seien viele der späteren Berichte über die Hängenden Gärten von Historikern oder anderen Augenzeugen verfasst worden, die nachweislich durch Ninive gekommen waren. Alexander der Große zum Beispiel habe im Jahr 331 v. Chr. mit seiner Armee bei Ninive gelagert. Das, glaubt die Oxforder Forscherin, sei Teil des Konstrukts der Hängenden Gärten gewesen.

Warum aber die Gärten als die Hängenden Gärten von Babylon in die Geschichtsbücher eingegangen sind - auch dafür hat Stephanie Dalley eine Erklärung. Nach einer Eroberung Babylons durch Assyrien 689 v. Chr. habe man nämlich, lang vor Nebukadnezar, Ninive als das "Neue Babylon" gefeiert.

Für die Forscherin, die sich so lange mit der Geschichte der Hängenden Gärten von Babylon beschäftigt hat, steht jedenfalls außer Zweifel, wo sich das Weltwunder in Wirklichkeit befand. Vor allem aber, meint Dalley, sei nun "zum ersten Mal nachgewiesen worden, dass die Hängenden Gärten wirklich existierten". Und einen märchenhaften Klang wie Babylon hat Ninive ja ebenso.