Catania. Auf dem sizilianischen Ätna liegt noch Schnee, im Rest der Insel kündigt sich aber bereits der Frühsommer an. Für die Sizilianer heißt das, dass noch mehr Flüchtlinge jede Woche übers Meer kommen. Die Insel stöhnt schon lange unter dem beispiellosen Flüchtlingsansturm. Trotzdem ist die Solidarität mit den Migranten groß - die Wut richtet sich gegen die fehlende Hilfe Europas.

In der sizilianischen Stadt Catania sind die gestrandeten Flüchtlinge aus Afrika überall zu sehen. "Wir werden bald komplett überrannt sein von den Immigranten, aber der EU ist das völlig egal", schimpft der Besitzer eines Imbisstandes am Bahnhof der zweitgrößten Stadt der Insel. Dabei habe die ärmste Region Italiens nicht erst seit der Wirtschaftskrise in Italien selbst genug Probleme, so der 47-jährige Giuseppe.


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"Die Migranten arbeiten auf den Feldern für einen Hungerlohn von 10 Euro am Tag, die Bauern nutzen sie aus, während ein Italiener mindestens 60 Euro bekommen müsste," erzählt der Standinhaber. Trotzdem gibt es kaum Berichte über größere Spannungen zwischen der Bevölkerung und den zahlreichen Flüchtlingen. "Es sind arme Teufel, sie können nichts dafür und wir können sie nicht ertrinken lassen" betont auch Giuseppe.

Hinter seinem Imbissstand warten Dutzende Menschen - die meisten von ihnen Flüchtlinge aus Afrika - vor dem Caritas Help Center, wo sie eine warme Mahlzeit zu erhalten. Mehr als 400 Menschen werden schichtweise in dem kleinen Raum jeden Abend versorgt. Es ist nur eine von mehreren Gratis-Ausspeisungen in der Stadt.

Nudelsalat für Flüchtlinge

Ein Opel Corsa bleibt stehen, eine junge Frau steigt aus und bringt in einer Plastiktasche einen Topf Nudelsalat.. "Ich hatte gestern Gäste und da habe ich einfach doppelt soviel gekocht, damit ich etwas hierher bringen kann", erzählt die Lehrerin. "Es herrscht eine unglaubliche Not und ich will helfen.". Vom Rest Europas fühlt sie sich im Stich gelassen. "Wir hier im Süden sind bereits arm und benachteiligt und weil wir an der Grenze Europas sind, stehen wir unter noch größerem Druck."

Die Landungen von völlig erschöpften Flüchtlingen in den Häfen der Insel sind Alltag in Sizilien. Allein in der vergangenen Woche ist jeden Tag mindestens ein Boot angekommen. Seit Jahresbeginn sind insgesamt rund 17.000 Flüchtlinge nach der lebensgefährlichen Fahrt von Nordafrika über das Mittelmeer auf der Insel gelandet. Derzeit befinden sich insgesamt 81.000 Flüchtlinge in Flüchtlingseinrichtungen in Italien, die meisten davon in Sizilien und Süditalien. Zudem kommen eine ungewisse Zahl von denen, die sich nicht registrieren lassen wollen, weil sie weiter nach Norden reisen wollen.