• vom 27.02.2018, 15:44 Uhr

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Trügerische Sicherheit




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  • Den absoluten Schutz gibt es nicht.Kommentar von Petra Tempfer



Damals, als ein Computer so groß wie ein Wohnzimmer war und die Reichweite von Telefonen mit dem Kabel endete, hatte der Begriff Datenschutz noch eine ganz andere Bedeutung. Er war viel greifbarer, nachvollziehbarer, und der Schutz personenbezogener Daten reichte kaum über Dokumentenmappen hinaus.

Heute, nach einer Welle der Digitalisierung und dem Eintauchen in Soziale Medien, haben die Verbreitung von Daten sowie deren Schutz allerdings eine Dimension erreicht, deren Ausmaß kaum abschätzbar ist. Unsere Lebenswelt formt sich aus Daten. Unsere Daten führen eine Parallelexistenz.


Angesichts dessen ist es freilich unabdingbar und klug, den Schutz personenbezogener Daten zu forcieren - und zwar EU-weit. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung kommt daher keine Sekunde zu früh. Zumindest wurde damit das Bewusstsein geschaffen, dass ungeschützte Daten Missbrauch und Kriminalität Tür und Tor öffnen. Dass die Daten einen immensen Wert besitzen und der Handel mit diesen ein lukrativer Geschäftszweig geworden ist.

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung löst diese Problematik allerdings nicht zur Gänze. Denn genauso wie früher selbst der sicherste Safe geknackt werden konnte, so ist kein System der heutigen Zeit effektiv genug, um unsere Daten zu hundert Prozent zu schützen. Das Gefühl der Menschen, sich in Sicherheit zu wiegen, ist trügerisch. Je ausgeklügelter der Schutz, desto geschickter werden die Hacker. Wer unvorsichtig wird, verliert. Und auch das berühmte Kleingedruckte kann nach wie vor jeglichen Datenschutz zunichtemachen. Wer nämlich mit einem Geschäftsabschluss eine Zustimmungserklärung unterschreibt, erlaubt die Datenweitergabe. Der nationale Spielraum trägt Weiteres dazu bei, dass man es mit dem Datenschutz dann doch wieder nicht so genau nehmen muss. Die Formulierung, dass "notwendige und verhältnismäßige" Beschränkungen der Grundverordnung national erlaubt sind, ist vage. In Österreich etwa sollen aufgrund des hohen Aufwands die Widerspruchsrechte von Bürgern gegen die Verarbeitung ihrer Daten gestrichen werden.

Das Wichtigste ist und bleibt daher, seine Persönlichkeit eigenverantwortlich zu schützen. Auch wenn ein paar Daten schnell geschrieben und ein "Enter" noch schneller geklickt ist, sollte man sich nicht gänzlich auf den propagierten Datenschutz verlassen - und wenn möglich nur so viel von sich preisgeben, wie viel gefahrlos auch die ganze Welt wissen darf.




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Dokument erstellt am 2018-02-27 15:47:48



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