• vom 10.05.2013, 13:10 Uhr

Wiener Journal

Update: 10.05.2013, 14:12 Uhr

Label

Inszenierte Mode




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Von Silvia Matras

  • Keiner weiß, was der Name des Labels "Shakkei" bedeutet. Es sei denn, er kann Japanisch.
  • Gabriel Baradée macht nicht Mode, er inszeniert sie. Nach eigener Definition. Was er darunter versteht, das erschließt sich erst in einem längeren Gespräch, in dem es auch heftig um Begriffsdefinitionen geht.

Hinter dem Label Shakkei steht der Modemacher Gabriel Baradée. - © MQ Vienna Fashion Week 2012 / Harald Klemm

Hinter dem Label Shakkei steht der Modemacher Gabriel Baradée. © MQ Vienna Fashion Week 2012 / Harald Klemm

Gabriel Baradée gibt sich gerne geheimnisvoll und intellektuell. So nennt er sein Label "Shakkei", und keiner weiß, was das bedeutet. Es sei denn, er kann Japanisch. Gabriel Baradée kann es, weil er ein fertiges Japanologiestudium absolviert hat. Aber die Erklärung, die er für Shakkei anbietet, befriedigt dennoch nicht ganz: Garten als Landschaftshintergrund. Auf die Frage, wie ein Garten das sein kann, da er doch an sich schon Landschaft, gestaltete zwar, aber eben Landschaft sei, korrigiert Baradée sich ein wenig: Er verstehe den Garten als inszenierte Landschaft. Und das sei auch die Mode. Versteht man den menschlichen Körper als Landschaft, auf der man, nämlich Gabriel Baradée, seine Mode inszeniert, drapiert, dann kann auch der Japanlaie mit dem Begriff etwas anfangen.


Verifizierung



Blickt man sich in dem kleinen Atelier um, das zugleich Verkaufsraum ist, so verspürt man einen deutlichen Hang zur Sparsamkeit. Nicht zur materiellen, sondern zu einer Sparsamkeit, die mit Raum, Platz und Dekor bedachtsam umgeht. Und auch ein gehöriges Understatement. Hier schreit nichts: Ich bin der große Designer. Im Gegenteil. Die zweiundeinhalb Auslagen in der vom Verkehrslärm beherrschten Spittelauer Lände passen sich gut an die Nüchternheit der Straße an – es gibt sie nämlich gar nicht. Deshalb nicht, weil die Fenster bis in die Augenhöhe mit weißem Papier zugeklebt sind. Nur in der schmalen Nische neben der Tür verrät eine halbe Kleiderpuppe, wer oder was sich hinter den Verhüllungen verbirgt. Auch das Fehlen eines deutlich sichtbaren Geschäftsschildes unterstreicht das Understatement des Jungdesigners.

Information

Gabriel Baradée
Atelier und Shop: Spittelauer Lände 9/1, 1090 Wien, T: 0699/102 32 116, studio@shakkei.de, www.shakkei.at
Dass er sich nachdrücklich zur Nachhaltigkeit bekennt, passt ebenfalls in diesen gedanklichen Rahmen. Nachgefragt, was er unter dem heute so viel strapazierten Schlagwort versteht, weiß er präzise Antworten: Wolle, Leinen und Loden bezieht er von österreichischen Herstellern. So wird der Transportweg verkürzt und die heimische Industrie unterstützt. Die restlichen Materialien tragen das G.O.T.S. – Siegel, was so viel wie "Global – Organic – Textile – Standard" bedeutet. Mit diesem Siegel ist sichergestellt, dass der Stoff reine Naturfaser und frei von Giften ist, ohne Kinderarbeit und unter möglichst geringem Wasserverbrauch produziert wurde. Diese ethischen Produktionsforderungen haben sich in der Modebranche noch nicht wirklich durchgesetzt, meint Gabriel Baradée. Auf der Suche nach ökologisch vertretbarem Material sei er auf "Tencel" gestoßen. Diese Faser wird von der Lenzing AG hergestellt und hauptsächlich im Sportbereich verwendet, weil sie atmungsaktiv und schweißabstoßend ist. Baradée verwendet Tencel sowohl für Damenkleidung, wenn sie weich und fließend fallen soll, als auch für Herrenanzüge.

Gabriel Baradée

Gabriel Baradée© Gerhard Buchacher Gabriel Baradée© Gerhard Buchacher

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Dokument erstellt am 2013-05-08 13:52:30
Letzte Änderung am 2013-05-10 14:12:08


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