• vom 02.03.2018, 06:09 Uhr

Wiener Journal

Update: 02.03.2018, 06:20 Uhr

Österreich

Jeder vierte Apfel ist Bio




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Von Saskia Blatakes

  • In keinem anderen Land in der EU gibt es so viel biologische Landwirtschaft wie in Österreich. Immer mehr Bauern steigen um.

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ZU APA..Grafik -10-Name.ai, Format x mm© M. Hirsch ZU APA..Grafik -10-Name.ai, Format x mm© M. Hirsch

In Sachen Bio-Landwirtschaft ist Österreich Europameister: Über ein Fünftel der landwirtschaftlichen Fläche werden ökologisch genutzt, Tendenz steigend.Mit dem Anteil von 20,3 Prozent rangiert es laut aktueller Zahlen von Eurostat noch weit vor Schweden (17,1 Prozent) und Estland (15,7 Prozent).

Aber was heißt das eigentlich genau - "Bio"?

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Diesen und weitere Artikel zum Thema finden Sie auch im "Wiener Journal" vom 2. März 2018.

Vielleicht nähert man sich der Antwort am besten mit der Frage: Was ist "Bio" nicht? Laut Verfechtern der biologischen Landwirtschaft krankt die konventionelle Landwirtschaft vor allem an drei Problemen. Da wäre erstens der hohe Einsatz von Düngemitteln aus Stickstoff, die in der Produktion energieaufwendig sind und damit den Klimawandel vorantreiben. Durch die chemischen Dünger wird außerdem das Grundwasser belastet. Zweitens kritisieren sie den großzügigen Einsatz von Pestiziden, die neben ihren Gefahren für den Menschen unter anderem auch zum folgenreichen Bienensterben führt. Und drittens monieren die Kritikerinnen der konventionellen Landwirtschaft die Massentierhaltung im Allgemeinen und insbesondere den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung – er kann zu Resistenzen und anderen gesundheitlichen Problemen beim Menschen führen.

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© Patrizia Tilly - stock.adobe.com farmer© Patrizia Tilly - stock.adobe.com

In der biologischen Landwirtschaft soll es auch anders gehen. Dafür gibt es strenge Prinzipien, die in nationalen und EU-weiten Richtlinien festgelegt sind.

Kreisläufe schließen

Alles, was am Bauernhof an Mist anfällt, soll als Kompost oder Dünger wiederverwendet werden. Ernteabfälle werden zu neuer Erde, die Fäkalien der Tiere werden zum Düngemittel. Dieser Gedanke eines möglichst geschlossenen Kreislaufs geht zurück auf den deutschen Chemiker Justus von Liebig. Er gilt als Begründer der natürlichen Mineraldüngung und propagierte eine konsequente Kreislaufwirtschaft von Tier und Mensch, indem er sich für den Einsatz von Jauche, Mist und Dung als Düngemittel aussprach. Das ist übrigens nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch: die Nährstoffe werden dem Boden, aus dem sie stammen, wieder zurückgegeben, die Fruchtbarkeit bleibt erhalten.

Tiere artgerecht halten

Sicher, für Veganer und Tierrechtler gibt es nur eine artgerechte Tierhaltung: die Freiheit. Die biologische Tierhaltung setzt der Massentierhaltung einen anderen Grundsatz entgegen: Es sollen nicht mehr Tiere auf einem Biobetrieb gehalten werden, als er selbst ernähren kann. Da ist er wieder, der Kreislauf-Gedanke. Tiere sollen nur in Regionen gehalten werden, in denen auch deren Futter produziert wird. Das spart Transportkosten, schont das Klima und verhindert Nährstoffungleichgewichte. Darunter verstehen Bio-Befürworter den unnötigen Transfer von Nährstoffen von einer Region in eine andere.



Ressourcen schonen

Um ein Kilogramm herkömmlicher Stickstoffdünger herzustellen braucht man umgerechnet ganze zwei Kilogramm Öl. Synthetischer Dünger besteht nämlich aus Stickstoff. Der ist zwar der größte Bestandteil der Atemluft, doch um ihn zu binden und als Dünger zu verwenden ist viel Energieaufwand nötig und mit einem großen CO2-Ausstoß verbunden. Der Biolandbau verzichtet dagegen auf solche Dünger aus fossiler Energie und schont damit auch das Klima.

Regelmechanismen nutzen

Die Monokulturen konventioneller Landwirtschaft haben viele negative Folgen, unter anderem das Auslaugen der Böden und die erhöhte Anfälligkeit für Schädliche, was wiederum dazu führt, dass immer mehr Pestizide eingesetzt werden. In der biologischen Landwirtschaft geht es dagegen darum, das Gleichgewicht und die Regelmechanismen der Natur zu nutzen, statt sie zu stören. Dazu ist vor allem eine hohe Artenvielfalt – die vielgepriesene Biodiversität – wichtig. Biobauern fördern sie durch Mischkulturen und unterschiedliche Fruchtfolgen, schonende Bodenbearbeitung oder Nistkästen und Insektenhotels. Es geht darum, der Natur zu helfen, sich selbst zu helfen. So halten zum Beispiel Marienkäferlarven und andere Nützlinge die Getreideblattlaus in Schach, wenn die Käfer auf einem Getreideacker Lebensraum finden. Dafür sorgen von den Landwirten neben dem Acker gepflanzte Kräuter, Blumen oder Hecken.

Sinneswandel der Bauern



Diese Prinzipien, die einerseits neu und andererseits so alt wie der Ackerbau überhaupt sind, finden immer mehr Anklang in Österreich. Immer mehr Betriebe steigen um, allein in diesem Jahr begrüßt Bio Austria 600 neue Bio-Betriebe. Dafür sind auch die Verbraucher verantwortlich: Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt seit Jahren konstant. Damit verbunden sind auch die höheren Rohstoffpreise, die die Bauern verlangen können, zum Beispiel für Milch oder Getreide. Bei Grünland und Ackerland nimmt der Bio-Anteil ungefähr gleich schnell zu, wie dem aktuellen Grünen Bericht des Landwirtschaftsministeriums zu entnehmen ist. Besonders rasant geht die Ökologisierung bei den Bio-Obstflächen: Mittlerweile wächst schon jeder vierte Apfel auf einem Bio-Baum.





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Dokument erstellt am 2018-03-02 06:12:45
Letzte Änderung am 2018-03-02 06:20:38


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