Nach Kriegsende hat die Versorgung der Wiener mit Lebensmittelkarten die Hungersnot gelindert. Aber es war viele Jahre noch zu wenig, um sich satt zu essen. Das änderte sich etwa um 1950 (das genaue Jahr ist mir nicht in Erinnerung), als im Zirkus Rebernigg, der in Wien gastierte, ein alter Elefant verstarb.

Ein Wiener Wirt hat den Elefanten im Ganzen gekauft, in ein Kühlhaus gebracht, filetiert und in seinem Wirtshaus Gulasch gekocht. Nachdem in einer Zeitung zu lesen war, dass es in einem Gasthaus in Wien-Fünfhaus Elefantengulasch gibt, standen die Wiener, meist war es die ganze Familie, in einer unsagbar langen Menschenschlange stundenlang vor dem viel zu kleinen Wirtshaus mit nur etwa fünfzehn Tischen an. Bezahlt musste im Voraus werden und es sollte schnell gegessen werden, damit Platz für die nächsten Hungrigen wurde.

Auch meiner Mutter, Schwester und mir hat es gut geschmeckt. Mit dem großen Andrang und dem guten Geschäft war es aber bereits nach wenigen Wochen vorbei. Der Grund dafür war ein hygienischer Missstand, der publik wurde: Die auf Tellern verbliebenen Speisereste wurden zurück in den Gulaschkessel gegeben und wieder aufgekocht. Eine Entgegnung oder Bestätigung dieser Anschuldigung wurde allerdings nicht bekannt.

Wenn es so war, dann war es übertriebene Gewinnsucht oder die aus den Kriegsjahren gewohnte Sparsamkeit. Die vor dem Wirtshaus wartenden Menschen wurden immer weniger und dem Wirt blieb wohl ein erheblicher Teil des Elefanten (zum Selbstverzehr) übrig. Erst wieder im Jahr 1968 hat eine burgenländische Wirtin Gulasch aus Elefantenfleisch als Spezialität in einem Wiener Lokal serviert.

Dr. Ludwig Kumer (Jg. 1941),

Techniker,

1070 Wien