• vom 10.04.2018, 09:17 Uhr

100 Jahre Republik - Chronik

Update: 10.04.2018, 09:32 Uhr

10.4.1919

Als die Kirche im Dorf blieb




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Als die Kirche im Dorf blieb

Als die Kirche im Dorf blieb© ÖNB Als die Kirche im Dorf blieb© ÖNB

Ohne ihn gäbe es heute weder Klassensprecher noch Schulsprecher. Ohne ihn hätten Frauen keinen freien Zugang zu Universitäten bekommen. Ohne ihn wäre Bildung immer noch eine Frage des Standes. Die Rede ist von Otto Glöckel, dem ersten Unterrichtsminister und maßgeblichen Schulreformer der Ersten österreichischen Republik. Ab 1922 war er Wiener Stadtschulratspräsident.

Als Kind hatte er am eigenen Leib erfahren, was es heißt, von einem rückständigen pädagogischen System erzogen zu werden. Deshalb setzte er sich als sozialdemokratischer Politiker Zeit seines Lebens für eine Demokratisierung der Schule ein, förderte Mitbestimmung von Lehrern, Eltern und Schülern und kämpfte als Verfechter der Gesamtschule gegen jegliche Bildungsprivilegien. Auch forcierte er eine strenge Trennung von Kirche und Schule.

Information

In unserer Serie "100 Jahre Republik - Chronik" werden die Erinnerungen unserer Republik von 1918 bis 2018 erzählt. Mehr zu dem Thema finden Sie hier.

Um den Einfluss der Kirchen auf das Schulwesen einzuschränken, erließ die damalige Regierung am 10. April 1919 den nach ihm benannten Glöckel-Erlass. Das tägliche Schulgebet wurde abgeschafft, die Teilnahme am Religionsunterricht war nur mehr freiwillig und nicht mehr verpflichtend. Für uns heute ganz selbstverständliche Dinge, doch zur damaligen Zeit eine echte Revolution. Otto Glöckel wurde im Februar 1934 vom austrofaschistischen Ständestaat von seinem Posten als Stadtschulratspräsident entfernt, eingekerkert und starb nur kurze Zeit darauf.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-10 09:18:19
Letzte Änderung am 2018-04-10 09:32:46



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