• vom 17.08.2018, 10:18 Uhr

100 Jahre Republik - Chronik

Update: 17.08.2018, 10:21 Uhr

19.8.1989

Paneuropäisches Picknick




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Paneuropäisches Picknick

Paneuropäisches Picknick© APAweb / Votava / Imagno / picturedesk.com Paneuropäisches Picknick© APAweb / Votava / Imagno / picturedesk.com

Vor 29 Jahren fand unter dem Stichwort "Paneuropäisches Picknick" an der österreichisch-ungarischen Grenze nahe Sopron eine Friedensdemonstration statt. Es war ein Fest, das in den Jahren danach als der entscheidende Meilenstein für das Ende der DDR, zur Wiedervereinigung Deutschlands und zum Zerfall des Ostblocks galt. Es war eine offizielle Veranstaltung – für drei Stunden wurde das "Grenztor" geöffnet. Zunächst kamen rund 700 DDR-Bürger – die die Öffnung für ihre Flucht in den Westen nützten, am Nachmittag kamen weitere Personen, denen der Grenzübertritt gewährt wurde. Otto von Habsburg, damals CSU-Abgeordneter, war einer der Initiatoren des Picknicks. Es war in gewisser Weise ein Testlauf der "Paneuropäischen Bewegung", um festzustellen wie Moskau bei der Öffnung des "Eisernen Vorhangs" reagieren würde. Die Flucht der DDR-Bürger und das Nichteingreifen der Sowjetunion ebneten letztlich den Weg für das Fallen des "Eisernen Vorhangs" und rund ein Jahr später zum Sturz der "Berliner Mauer".

Österreichs Außenminister Alois Mock hatte bereits ein paar Wochen zuvor – am 27. Juni – symbolisch mit einem Bolzenschneider den Grenzzaun durchschnitten. Hinter dem "Paneuropäischem Picknick" standen jedenfalls unterschiedliche Interessen: Einerseits war der Sowjetunion klar, dass die Zäune und Überwachungsanlagen längst überholt waren und es modernere Grenzsicherungssysteme gab. Anderseits bewarben sich Österreich und Ungarn für die Weltausstellung 1995 – der noch existierende "Eisernen Vorhang" "beschädigte" das Image der Länder.

Information

In unserer Serie "100 Jahre Republik - Chronik" werden die Erinnerungen unserer Republik von 1918 bis 2018 erzählt. Mehr zu dem Thema finden Sie hier.

Am Reichstagsgebäude in Berlin gibt es eine Gedenktafel an das "Paneuropäische Picknick". Am 19. August finden seit 1989 jährlich Gedenkfeiern an der Stelle des Grenzübergangs statt. Heute befindet sich dort eine Kalksteinskulptur mit dem Titel "Durchbruch" des ungarischen Künstlers Miklos Melocco. In dem Kunstwerk wurde auch ein Stück der "Berliner Mauer" eingefügt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-17 10:19:44
Letzte Änderung am 2018-08-17 10:21:25



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