• vom 26.05.2018, 10:00 Uhr

100 Jahre Republik - Tagebuch


100 Jahre Tagebuch

"Nitschewo": Ein Fußball, der von selbst durch das Fenster flog




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    Wilde Fußball-Leidenschaft in der Nachkriegszeit. - © Imagno/Votava

    Wilde Fußball-Leidenschaft in der Nachkriegszeit. © Imagno/Votava

    Im Jahr 1951 ist meine Familie in Wien vom 2. Bezirk in den 22. Bezirk nach Neu-Kagran umgezogen. Die Nähe zur Alten Donau sowie die damals großen freien Flächen waren für uns ein Eldorado zum Schwimmen, Fußballspielen und auch für andere Dinge.

    Nächst der Stadlauer Malzfabrik befand sich die sowjetische Kommandantur für die Donaustadt. Davor war eine große Wiese, wo wir immer begeistert Fußball spielten. Einmal schoss ich einen Ball scharf durch die Gegend und traf ein Fenster der Kommandantur, welches sofort zerbrach.


    Die Russen nahmen uns daraufhin alle in Gewahrsam und ließen alle unsere Mütter "antanzen". Völlig verzweifelt und verweint stand meine Mama dann vor dem sowjetischen Kommandanten, entschuldigte sich und sagte, dass sie das zerbrochene Fenster ersetzen würde.

    Da sprach der Kommandant, ein älterer Mann, freundlich zu ihr: "Mütterchen, nicht weinen, waren ja nur Kinder und der Ball ist ja selbst ins Fenster gefallen. Nicht aufregen, ist ja nichts Böses geschehen. Nitschewo, wir machen Fenster wieder selbst gut. Kinder sollen beim Fußballspielen besser aufpassen."

    Dann entließ er uns und gab jeder Familie, deren Mütter da antanzen musste, noch ein Paket mit Lebensmitteln und Obst mit - damit die Kinder etwas zu essen haben. Er meinte, das sei auch in Moskau so üblich!

    So hatte diese ganze Geschichte schließlich doch noch ein gutes Ende genommen!

    Hubert Rogelböck (Jg. 1941),

    Pensionist,

    1230 Wien




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    Dokument erstellt am 2018-05-25 13:25:01



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