• vom 12.09.2018, 06:00 Uhr

100 Jahre Republik - Chronik


12.9.1927

"Skandalmaler" Giselbert Hoke




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"Skandalmaler" Giselbert Hoke

"Skandalmaler" Giselbert Hoke© ÖNB "Skandalmaler" Giselbert Hoke© ÖNB

Giselbert Hoke ist heute fast in Vergessenheit geraten – in den 60er-Jahren galt er als der Skandalmaler schlechthin. Er ist nämlich Gestalter der Klagenfurter Bahnhoffresken, die sich an Szenen von Picasso orientieren. Das war der Bevölkerung "zu viel" und einfach viel zu modern. Der 21-jährige Hoke hatte den Kunstwettbewerb für den neuen Bahnhof gewonnen. Auf einer Gesamtfläche von fast 300 Quadratmetern malte er rund sechs Jahre, bis 1956, an den jeweils 22 Meter breiten und fünf Meter hohen Bildern "Wand der Kläger" und westseitig an der "Wand der Angeklagten". Im Jahr 2000 wurde der Bahnhof saniert und ausgebaut – niemand stößt sich heute mehr an den Bildern, ganz im Gegenteil, sie finden sich in jedem Klagenfurt-Sehenswürdigkeits-Verzeichnis und gelten als Touristenmagnet. Die Fresken stehen mittlerweile unter Denkmalschutz und wurden sorgfältig restauriert. Bei der Erweiterung des Bahnhofs wurden sogar die Lichteinfälle nach den Kunstwerken ausgerichtet.

Giselbert Hoke wurde am 12. September 1927 in Warnsdorf geboren und lebte in Kärnten bis zu seinem Tod am 18. April 2015. Im Zweiten Weltkrieg verlor er einen Arm. Das hinderte ihn nicht daran, seine künstlerische Begabung weiter zu verfolgen. Er studiert an der Universität für Kunst in Wien, bei Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl. Er malte vor allem Fresken, Aquarelle, Lithografien und arbeitete mit Glas. Nach dem "Skandal" verließ er Klagenfurt, ging zunächst nach Wien und erwarb 1962 das "Schloss Saager", das er jahrelang sanierte. Doch seine "Skandalfresken" machten ihn auch berühmt – er erhielt den Auftrag für sechs Fresken für die "Katholische Lehrerbildungsanstalt" in Eisenstadt, dem heutigen "Gymnasium der Diözese Eisenstadt Wolfgarten". Die Bilder wurden 2009 durch seine Tochter restauriert und stehen ebenso bereits unter Denkmalschutz. Er unterrichtete bis in die 90er-Jahre an der TU Graz als auch als Kursleiter der "Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst" Salzburg. Seine Arbeiten sind in ganz Österreich immer noch zu bewundern: in der Abt-Kappel des Stiftes Rein, in der Zentralschule Zeltweg, in der Kirche in Gnas, am Autobahnrastplatz Twimberg, im Forstseekraftwerk oder auch im Altarraum der Autobahnkirche Dolina.

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In unserer Serie "100 Jahre Republik - Chronik" werden die Erinnerungen unserer Republik von 1918 bis 2018 erzählt. Mehr zu dem Thema finden Sie hier.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 15:44:28
Letzte Änderung am 2018-09-07 15:46:27



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