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Mein erstes Buch las ich mit sieben Jahren: "Mogli, das Dschungelbuch". Ich hatte es aus der Bücherei Treibach-Althofen in Kärnten ausgeborgt. Ich las es sicher hundert Mal. Seither zog es mich magisch in die Bücherei, die nur an Samstag-Nachmittagen offen hatte, in das alte Haus bei der Volksschule. Zu ihr führte im Freien eine Holztreppe, dann ein Balkon zur großen Holztür und dahinter war das Paradies meiner Kindheit. Auch da war alles aus Holz: der Boden, die Budel, über die die Bücher wanderten, die Regale, in denen sie standen. Ich habe alles noch vor mir: den dunklen Raum mit kleinem Fenster und dem typischen Geruch nach Holz und Büchern. Betrieben wurde alles von der Lehrerin Elfriede Amberger. Ihr sagte man, was man lesen wollte, und sie tat, was sie konnte. Pro Buch zahlte man ein paar Groschen, drei Bücher pro Woche waren erlaubt. Die hatte ich spätestens am Dienstag ausgelesen. Die Zeit bis Samstag war schrecklich lang. Zuerst las ich Märchenbücher, bis Frau Amberger keine mehr auftreiben konnte. Später dann Enid Blytons "Fünf Freunde" und "Hanni und Nanni" bis zu den Mädchenbüchern wie "Trotzkopf." Ich versank in den Geschichten, die mich in andere Welten versetzten. Frau Amberger gibt es nicht mehr. Die alte Bücherei auch nicht (aber eine neue). In Wien habe ich ein neues Bücherparadies gefunden.

Mag.a Angelika Pichler (Jg. 1964),

Alphabetisierungstrainerin,

1020 Wien