Eine Tante von mir war mit einem amerikanischen Soldaten verheiratet, der uns auch immer wieder besuchen kam. Für meinen Bruder und mich war das sehr aufregend, da wir dann mit dem Militärjeep Ausflüge unternahmen. Und das unter den Augen der russischen Besatzer! 1955 - mit nur fünf Jahren - erkrankte ich dann schwer.

Obwohl ich mehrere Puppen aus Porzellan besaß, war ich total begeistert, als mir mein amerikanischer Onkel eine Puppe aus Moltopren mitbrachte. Nicht nur ihr Gesicht, auch der ganze Körper sah so echt aus und sie war ganz weich. Allerdings hatte sie einen Schönheitsfehler: Die Haare waren nur aufgemalt.

Trotz meiner Krankheit war meine Kreativität ungebrochen und so schnitt ich mir kurzerhand den linken Zopf ab und versuchte, meine Haare am Puppenkopf festzukleben. Der Klebstoff verursachte zwar Schäden im Schaumstoff, aber das konnte ich mit der richtigen Frisur kaschieren. Ich war so stolz! Niemand in unserer Kleinstadt hatte so eine großartige Puppe.

Wenig Begeisterung über diesen Einfall zeigte hingegen meine Mutter. Statt den zweiten Zopf ebenfalls abzuschneiden, wurden die Haare auf der linken Seite mit Haarklammern zurückgesteckt. Mir war das egal, ich lag ohnehin im Bett und konnte das Haus nicht verlassen. Und niemand konnte mich in meinen Schmerzen, meiner Einsamkeit und Angst während der für mich unendlich langen Krankheitstage besser trösten als Susi, meine wunderbare Puppe. Während ich mich in diesen eineinhalb Jahren langsam erholte, nahmen ihre Verfallserscheinungen in dieser Zeit zu und als ich dann ganz gesund war, hatte ich Susi "zu Tode" geliebt.

DDr. Falter Sylvia (Jg. 1950),
Ärztin,

1120 Wien