Es war am Weihnachtsabend 1958! Die Weihnachtsbescherung war vorbei und wir waren gerade mit dem Auspacken unserer Geschenke beschäftigt. Wir, das waren Mama, Papa, Großmutter und ich. Ich erinnere mich noch genau an den Kerzenschimmer des Weihnachtsbaumes und an das Glücksgefühl, das rundum immer noch zu spüren war.

Doch plötzlich eine schlimme, kaum glaubhafte Irritation: Eine riesige flackernde Feuerwand warf ihre Konturen an die Wände unserer Küche. Ein Blick aus dem Fenster Richtung Flughafen ließ Schlimmes ahnen. "Da muss ein Unglück mit einem Flugzeug geschehen sein!" Ohne Zögern fuhr ich mit dem Moped von Fischamend in Richtung der vermutlichen Absturzstelle. Immer der riesigen Feuerwand nach! Über Straßen, vermurte und verschlammte Wege, bis sich mir das ganze Ausmaß der Katastrophe eröffnete.

Es war tatsächlich ein Flugzeugunglück. Rundum brennende Trümmer, ein in Schlamm versunkenes Feuerwehrauto, der Einsatzwagen einer Fluggesellschaft, ebenfalls in der morastigen Ackerlandschaft stecken geblieben. Soweit ich konnte, half ich, das Fahrzeug wieder fahrbereit zu machen.

Walther Reyer überlebte. - © A. Grimm, Berlin-Dahlem/C. C. C./Gloria
Walther Reyer überlebte. - © A. Grimm, Berlin-Dahlem/C. C. C./Gloria

Später wurde von den Sicherheitskräften die Unglücksstelle abgesperrt, sodass für Zaungäste ein Näherkommen nicht mehr möglich war. So war man auf Zeitungsberichte der nächsten Tage angewiesen. Die ergaben, dass es sich bei der Unglücksmaschine um eine Lockheed Constellation der Air France gehandelt hatte. Das Flugzeug ist beim Anflug auf den Flughafen vor der Landebahn zum Absturz gekommen, explodiert und völlig ausgebrannt.

Die Ursache des Unglücks konnte nie geklärt werden und basiert auf Vermutungen. War eine Windbö schuld? Erfolgte der Landeanflug zu tief? Hat ein Höhenruder versagt? Die Crew hatte nach eigenen Angaben Bodensicht! Zum Glück überlebten alle 34 Insassen den Crash, der bis heute als das "Weihnachtswunder von Schwechat" in die Annalen der Luftfahrt eingegangen ist.

Jahre später kam ich mit dem berühmten Kammerschauspieler Walther Reyer bei einer Lesung in der Fischamender Gemeindebücherei über dieses Unglück ins Gespräch. Er befand sich, so erzählte er mir, von einem Filmprojekt in Indien ("Der Tiger von Eschnapur") auf der Heimreise, an Bord der Unglücksmaschine. "Es war furchtbar, nach dem Aufprall flüchteten wir aus dem Wrack, welches wenig später in Flammen aufging. Dennoch wollten Passagiere zurück hasten, um Habseligkeiten zu bergen. Eine unmögliche Sache. Aber es gab auch einen wunderschönen Augenblick für mich. Mitten durch den Morast kam mit offenen Armen die Schlagersängerin Liane Augustin auf mich zu. Auch sie hatte das furchtbare Unglück unversehrt überstanden."

Prof. Adalbert Melichar (Jg. 1942), Kulturamtsdirektor i. R.,

2401 Fischamend