• vom 18.11.2018, 14:00 Uhr

100 Jahre Republik - Texte


Zeitgeschichte

Republik für ein paar Stunden




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Von Christian Hütterer

  • Eine Episode aus der Geschichte des Burgenlandes: Vor hundert Jahren wurde im heutigen Mattersburg ein kurzlebiger Staat gegründet: die Republik Heinzenland.



Der Gewerkschafter Hans Suchard erinnert sich am 21. November 1929 in der "Arbeiter-Zeitung" an die Heinzenland-Ereignisse im Jahr 1918.

Der Gewerkschafter Hans Suchard erinnert sich am 21. November 1929 in der "Arbeiter-Zeitung" an die Heinzenland-Ereignisse im Jahr 1918.© WZ-Collage (Quellen: ÖNB, bgld. Landesarchiv, Militärgeograph. Institut) Der Gewerkschafter Hans Suchard erinnert sich am 21. November 1929 in der "Arbeiter-Zeitung" an die Heinzenland-Ereignisse im Jahr 1918.© WZ-Collage (Quellen: ÖNB, bgld. Landesarchiv, Militärgeograph. Institut)

Es war ein Fiasko. Im Dezember des Jahres 1918 riefen burgenländische Aufständische in Mattersdorf (ab 1924 Mattersburg) die Republik Heinzenland aus. Sie hatten große Ziele und wollten die deutschsprachige Bevölkerung Westungarns in diesem jungen Staat vereinen, aber schon nach ein paar Stunden platzte der Traum. Ungarische Soldaten bereiteten dem Spuk ein Ende und verhafteten die Aufrührer.

Wie es zu diesem abenteuerlichen Unternehmen kam, zeigt ein Blick zurück: Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde vorgeschlagen, die deutschsprachigen Gebiete im Westen Ungarns an den österreichischen Teil der Doppelmonarchie anzuschließen. In Wien entstanden mehrere Vereine mit diesem Ziel, wie etwa jener zur "Erhaltung des Deutschtums in Westungarn", die aber ohne großen Zulauf blieben. Auch der Reformer Aurel Popovici, der die Monarchie nach ethnischen Gesichtspunkten neu gliedern wollte, schlug vor, die deutschsprachigen Gemeinden Ungarns in ein noch zu schaffendes Deutsch-Österreich zu integrieren. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges drängte diese Vorhaben allerdings in den Hintergrund.

Als der Krieg nach vier Jahren im Herbst 1918 zu Ende ging, änderte sich die politische Karte Europas grundlegend. Die Doppelmonarchie zerfiel, und am 12. November 1918 wurde in Wien die Republik Deutschösterreich ausgerufen. Wenige Tage später erließ die Nationalversammlung des jungen Staates das "Gesetz über Umfang, Grenzen und Beziehungen Deutschösterreichs" und forderte darin Südtirol, die Untersteiermark und das Sudetenland für sich, darüber hinaus verlangte man die deutschsprachigen Gebiete im westlichen Ungarn.

Die betroffenen Gemeinden waren einverstanden, ein Teil Österreichs zu werden. Neben sprachlichen und kulturellen Überlegungen waren es vor allem wirtschaftliche Gründe, die zu dieser Entscheidung führten, denn der wichtigste Absatzmarkt für die Produkte der Region war Wien.

Hasardunternehmen

Sowohl die Regierung in Wien wie auch die Bevölkerung wollten also die Eingliederung nach Österreich, dennoch sollte es noch Jahre dauern, bis sie Wirklichkeit wurde. Kurz nach dem Krieg war die internationale Lage ungeklärt, die großen Kaiserreiche Europas waren zerfallen, neue Staaten entstanden - und bis zum Abschluss der Friedensverträge in den Pariser Vororten sollte noch einige Zeit vergehen.

In dieser Phase der Unsicherheit wollte der Gewerkschafter Hans Suchard durch ein Hasardunternehmen vollendete Tatsachen schaffen, das er später mit folgenden Worten zusammenfasste: "Bei Ungarn wolln ma net bleiben. Nach Österreich lasst ma uns net. Na, dann ham ma halt a eigene Republik gmacht."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-15 13:55:19
Letzte Änderung am 2018-11-15 14:02:30


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